100.) Everest Treck vom 15. Oktober bis 6. November 1995 in Nepal/Khumbu Himal
(Kirchmayr Hermann, Waldhauser Heide, Jurda Eva, Holme Heidi, Schmautz Heinz, Zach Alois, Petzner Franz, Zsifkovits Ernst, Steiner Meinhard)
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So 15. Okt.: Kathmandu (1300m): Von 10 Uhr bis 10:40 fliegen wir mit einem alten russischen Militärhubschrauber von Kathmandu nach Lukla (2850m). Am Flug sehen wir die terrassenförmig angeordneten Felder. Der Blick zu den hohen Bergen des Himalaya ist wegen der vielen Wolken nicht sehr gut. In Lukla ist es bewölkt und der Nebel hängt weit herunter. Es hat etwa +15°C. Um 12:45 marschieren wir in Lukla los. Erst geht es leicht bergab und kurz vor Phakding überqueren wir den Dudh Kosi (Milchfluss) auf einer langen Hängebrücke. Um 16 Uhr kommen wir nach einer gemütlichen Wanderung mit vielen Rastpausen in Phakding (2650m) an. Hier schlagen wir unser erstes Zeltlager auf. Es werden 6 Zelte und ein Gemeinschaftszelt aufgestellt. Das Wetter ist nicht besonders - es ist immer noch stark bewölkt. Am Weg hierher gab es schon einige sehr schöne Manimauern zu sehen.
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| Ein Manistein am Weg nach Phakding | Die Überquerung des Dudh Kosi |
Mo 16. Okt.: Phakding (2650): Tagwache: 5:30. Es ist sehr warm heute morgen - ich schätze etwa +12°C. Um 6:30 wird mir dann der Tee im Zelt serviert und kurze Zeit später gibt's die Waschschüssel mit warmen Wasser. Als ich heute morgen die Träger und Sherpa zähle, so sind es etwa 20-25 Personen die sich um unser Wohl kümmern. Um 8:15 marschieren wir dann los. Es geht flach dem Dudh Kosi entlang. Nach etwa einer ¾ Stunde Gehzeit sehen wir dann den ersten schneebedeckten Gipfel - den Tramserku (6608m).
Es ist ein herrlicher Anblick. Nach 2 Stunden gemütlicher Gehzeit kommen wir in Monjo (2832m) an. Im Norden sehen wir den Khumbui Yul Lha (5761m). Am Weg hierher sind wir immer wieder an Häusern und Lodges vorbeigekommen. Die Menschen ernten hier auf einer Seehöhe von 2800m schöne rote Äpfel. Heute Vormittag ist das Wetter sehr schön, doch jetzt um 11 Uhr ziehen Wolken auf, die die Gipfel immer mehr und mehr einhüllen. Von 12 Uhr bis etwa 14:15 gehen wir bei Sonnenschein ganz schön steil und doch flott nach Namche Bazar (3440m) hinauf. Jetzt in Namche kommt Nebel auf. Er wird immer dichter und hängt von der Bergen bis fast zum Ort herunter.
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![]() Ama Dablam - das Matterhorn des Himalaja |
Di 17. Okt.: Namche Bazar (3440m): Tagwache: 6 Uhr. Ich hatte am Abend leichtes Kopfweh. Wahrscheinlich bin ich gestern zu schnell nach Namche hinaufgezogen. Das Wetter ist heute super. Wir haben einen herrlichen Blick auf den Hausberg von Namche den Kongde Ri (6187m). Das schöne Wetter hält nicht lange, denn bereits um 7:30 ist es schon wieder voll nebelig. Um 10:30 gehen wir in einer ¾ Stunde zum Flugfeld in Syampoche (3690m) hinauf. Weiter geht's dann zum berühmten Everest View Hotel (3850m) welches wir um 11 Uhr erreichen. Leider ist die Sicht auf die angeblich umliegenden Berge gleich Null. Mein Kopfweh ist zum Glück wieder weg, und ich fühle mich sehr fit. Um 12:30 sind wir dann in Khunde (3880m) beim Hospital für höhenmedizinische Forschung. Das Spital wird zur Zeit von einem kanadischen Arzt betrieben. Es hat etwa +10°C und die Sicht ist etwa 50 Meter. Um 14:30 sind wir dann etwas oberhalb des Spitals und können dort ein Kloster besichtigen. Hinter dem Kloster steigen wir zu einer Akklimatisationstour auf. Um 15:30 stehe ich dann auf meinem ersten 4000er. Der Gipfel dieses namenlosen Berges ist ungefähr 4200m hoch. Es hat +5°C und der Nebel lässt uns nur 20 m Sicht. Um 16 Uhr sind wir wieder in Khunde und um 17 Uhr kommen wir nach einem sehr flotten Abstieg wieder in Namche Bazar an. Leider hatten wir heute den ganzen Tag Nebel. Nur ganze 15 Minuten war heute morgen der Tramserku (6608m) zu sehen.
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| Everest und Lothse |
Mi 18. Okt.: Namche Bazar (3440m): Tagwache: 5:30. In der Nacht hat es stark geregnet und jetzt ist der Himmel wieder klar. Um 7 Uhr gehen wir etwa ½ Stunde hinauf zu einem Aussichtspunkt. Der erste Blick zum Everest (8848m) und Nupste (7879m) - gewaltig! Ein herrliches Panorama in jede Himmelsrichtung. Lothse (8501m) und Lothse Shar (8383m) stehen mächtig vor uns. Sehr gut sieht man die Ama Dablam (6856m), das Matterhorn des Himalaya. Gewaltig ist der Anblick mit dem Fernglas auf die Eiswände. Nach dem Frühstück gehen wir um 8:45 in Namche weg. Um 9:45 sind wir dann nach einer gemütlichen Wanderung in Phurte (3450m). Das Wetter ist heute wunderbar. Um 10:30 überqueren wir einen namenlosen Fluss auf einer Höhe von 3390m. Hier sieht man noch die eine oder andere Almrauschblüte. Um 11 Uhr sind wir in Dramo (3440m). Wir haben einen herrlichen Blick zurück zum Tramserku (6608m). Um 13 Uhr geht's weiter und um 13:40 überqueren wir den Nangpo Tsangpo auf etwa 3580m. Ich komme dann nach einem flotten Marsch um 14 Uhr in Thame (3800m) an. In Thame genieße ich den Blick auf den Tramserku (6608m), den Kongde Ri (6187m), den Teng Kangpoche (6500m) und den Panyo Tuppa (6696m). Von 15:30 bis 16 Uhr gehe ich dann noch alleine hinauf zum Kloster Thame (3960m). Leider sieht man jetzt von den Bergen nicht mehr viel - Nebel zieht herauf. Ich gebe jedoch nicht auf und sitze noch eine ganze Weile oben. Plötzlich reißt es auf und ich sehe bei herrlicher Abendstimmung die Gipfel des Tramserku (6608m) und des Kang Taiga (6685m) über den Wolken. Die schneebedeckten Berge leuchten nach dem Sonnenuntergang. Es ist herrlich - ja fast schon kitschig. Nach dieser befriedigenden Aussicht gehe ich dann gemütlich zum Zeltplatz hinunter.
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Namche Bazar |
Do 19. Okt.: Thame (3800m): Tagwache: 6 Uhr. Heute morgen hat es 0°C. Mein Waschlappen und das Handtuch sind an der Wäscheleine angefroren. Von 8:30 bis 9 Uhr gehen wir gemeinsam zum Kloster Thame (3960m) hinauf. Es ist heute wolkenlos und so ist die Aussicht wunderbar. Beim Aufstieg sehen wir zum ersten Mal den Cho Oyu (8153m). Um 10:45 bin ich dann nach einer sportlichen Etappe mit Sherpa Wangchhu beim Mittagslagerplatz. Ich fühle mich sehr fit und bin konditionell sehr gut drauf. Die 31.500 Höhenmeter in den heimischen Bergen machen mir das Gehen zum Vergnügen. Um 12:30 geht's wieder weiter und um 13:45 bin ich beim Airport in Syampoche (3960m). Weiter geht es nun nach Khumjung (3790m) zum Zeltplatz wobei manchmal die Ama Dablam (6856m) aus den Wolken hervorschaut. Ganz oder fast zum Greifen nahe ist jetzt der Tramserku (6608m). Wir machen noch eine kleine Akklimatisationstour in Richtung Dole die 1 Stunde dauert.
Fr 20. Okt.: Khumjung (3790m): Tagwache: 6 Uhr. Am Morgen war das Außenzelt, wie gestern auch, steif gefroren. Es ist jetzt 8 Uhr und die Sonne wärmt uns. Um 8:15 gehen wir in 1 ¼ Stunden bis auf etwa 3973m in Richtung Dole. Wir haben einen herrlichen Blick auf den Tramserku (6608m) der uns nun schon lange begleitet, sowie auf den Kang Taiga (6685m), den Taboche (6367m) und die Ama Dablam (6856m). Jetzt steigen wir eine ¾ Stunde ab zum Fluss (3520m). Nach der Mittagspause kommen wir nach einer Gehzeit von 1 ½ Stunden in Dole (4040m) an. Der Blick zurück zum Tramserku (6608m) und Kang Taiga (6685m) ist phantastisch. Um 14:30 starten wir zu einer Akklimatisationstour bis auf ca. 4700m. Die Aussicht in das Tal nach Gokyo und hinüber zur Ama Dablam (6856m) ist sehr schön.
| Ama Dablam
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Sa 21. Okt.: Dole (4040m): Tagwache: 6 Uhr. Das Wetter ist heute nicht so gut - es ist leicht bewölkt. Alles ist feucht und kalt - die T-Shirts trocknen kaum mehr. Um 8 Uhr gehen wir in Dole (4040m) weg und um 10 Uhr kommen wir in Machermo (4410m) an. Das Wetter wird immer schlechter und lädt nicht gerade zum Wandern ein. Jetzt haben wir leichten Graupelschauer. Es ist jetzt 12:30 und es schneit nun schon fast eine Stunde leicht. Um 13:15 starte ich trotz Schlechtwetter zu einer kleinen Akklimatisationstour bis auf etwa 5080m. Um 15:30 kehre ich um und um 16:30 bin ich wieder beim Lager. In der Nacht wird der Himmel wieder klar. Man sieht sehr viele Sterne und die Milchstraße. Es ist sehr kalt.
So 22. Okt.: Machermo (4410m): Tagwache: 6 Uhr. Es hat -4°C. Das Außenzelt ist steif gefroren und ich habe einige Eisbröckerl am Schlafsack. Bei der Trinkflasche ist mir der Verschluss eingefroren - ich habe kein Wasser zum Zähneputzen. Um 8 Uhr geht's los. Wir steigen nach Machermo kurz auf und haben einen herrlichen Blick zum Cho Oyu (8153m). Wir haben heute wolkenloses Wetter und die Sonne wärmt uns. Um 11:15 komme ich in Gokyo (4750m) an. Um 13:30 sitze ich neben dem Ngozumpo Gletscher. Der Gletscher lebt. Man hört ein dauerndes Krachen und Grollen der Steine und des Eises. Der Blick auf den Gletscher und den Cho Oyu (8153m) ist umwerfend. Nach dem Mittagessen mache ich noch eine kleine Tour entlang der Gletschermoräne bis auf etwa 4920m. Es ist jetzt 17 Uhr und die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden - es wird kalt.
| Cho Oyu | ![]() |
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Mt. Everest |
Morgen steht der erste richtige Gipfel am Programm - der Gokyo Kang mit 5483m. Hoffentlich ist das Wetter so schön wie heute.
Mo 23. Okt.: Gokyo (4750m): Tagwache: 5:30. Der Himmel ist klar. Ich denke wir haben gute Wetterbedingungen für den heutigen Gipfeltag. Der Cho Oyu (8153m) wird schon von der Morgensonne bestrahlt und leuchtet sehr hell. Es hat -3°C. Um 7 Uhr steigen wir langsam auf, denn die Luft ist dünn. Um 9 Uhr erreichen wir den Vorgipfel, den Gokyo Ri (5330m). Die Aussicht mitten im Himalaja ist phantastisch. Der Everest (8848m) ist sehr nahe. Wir sehen auch den Nuptse (7879m), den Cho Oyu (8153m), den Lothse (8501m) und den Makalu (8475m). Um 10:30 geht es weiter. Der Grat hinüber zum Hauptgipfel ist jedoch alles andere als eine leichte Blockkletterei. Schwierigkeitsgrad etwa II bis III. Erst geht es ganz schön hinunter und dann wieder hinauf. Um 12:30 erreiche ich dann nach einem sehr mühevollen Aufstieg den Gipfel des Gokyo Kang (5483m). Wir sind alleine. Das 360° Panorama nur mit schneebedeckten Bergen ist umwerfend. Von 13:15 bis 14 Uhr steigen wir ohne Weg über große Blockfelsen bis hinunter zum See. Das ist ganz schön mühsam. Um 14:15 komme ich nach einer sehr schönen und anstrengenden Gipfelbesteigung wieder am Zeltplatz an.
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| Der Blick vom Gokyo Kang | Everest, Nuptse u. Lothse |
Di 24. Okt.: Gokyo (4750m): Tagwache: 6 Uhr. Kurz nach 8 Uhr gehen wir los zum Fuße des Cho La (5420m). Um 9 Uhr überqueren wir den Ngozumpo Gletscher. Auf dem Eis ist eine richtige Steinwüste. Es hat 0°C und die Sonne scheint. Um 9:45 haben wir dann nach einer Gehzeit von 1 ½ Stunden den Gletscher überquert. Rechts von uns stehen der Jobo Lhaptshan (6440m) und der Taboche (6367m) mächtig da. Um 10 Uhr sind wir in Dragnag (4690m) und gegen 14 Uhr erreichen wir dann unseren Campingplatz (4950m) am Fuße des Cho La (5420m). Um 16:30 verschwindet die Sonne hinter den Bergen und es wird langsam kalt. Der heutige Tag war ganz schön und die Etappe nicht besonders anstrengend. Der Blick hinauf zum Pass verspricht jedoch für morgen eine etwas härtere Tour. Ich bin sehr fit und so dürfte es für mich kein Problem werden. Kurz vor Sonnenuntergang um 17 Uhr hat es jetzt +4°C.
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Mi 25. Okt.: Am Fuß des Cho La (4950m): Tagwache: 5 Uhr. Es hat -6°C. Um 7 Uhr marschieren wir mit eiskalten Fingern und Zehen vom Zeltplatz weg. Es ist sehr anstrengend für mich, da ich in der Nacht nur etwa 3 Stunden geschlafen habe. Um 7:30 sind wir kurz vor dem Anstieg zum Pass. Um 8:30 sind wir dann nach 1 ½ Stunden Gehzeit dann am Cho La (5420m). Die Finger sind inzwischen warm, die Zehen jedoch nicht. Wir genießen das Panorama am Pass. Um 9 Uhr gehen wir dann hinunter nach Dzonglha (4843m). Der Abstieg wäre bei Neuschnee oder Vereisung sicher nicht ganz einfach. Wir haben jedoch sehr gute Bedingungen und kommen gut voran, sodass ich um 11:15 in Dzonglha (4843m) bin. Weiter geht es dann nach Lobuche. Die Aussicht auf die Ama Dablam (6856m) und das Tal hinunter nach Periche ist wunderschön. Das Wetter ist auch sehr schön und wir haben jetzt bei Sonnenschein +3°C. Bei der Wanderung in Richtung Lobuche sehen wir den Pumo Ri (7145m) ständig vor uns. Um 14:45 nach gut 2 Stunden Gehzeit komme ich dann in Lobuche (4930m) an.
Do 26. Okt.: Lobuche (4930m): Tagwache: 5 Uhr. Es ist 4 Uhr. Seit 3 Uhr bin ich wach. Es hat etwa -7°C. Heute geht es zum Kalar Pattar (5545m) und zum Everest Base Camp (ca. 5400m). Der Himmel ist heute wieder wolkenlos und ich denke es wird sehr schön und interessant. Von 7:15 bis 9:15 gehen wir auf einem relativ flachen Weg bis zum Fuße des Kalar Pattar. Um 10:50 genieße ich vom Gipfel des Kalar Pattar (5545m) den grandiosen Blick hinüber zum Everest (8848m) und Nupste (7879m). Man kann es nicht beschreiben. Es hat +3°C. Bis um 11:50 bin ich am Gipfel - also 1 Stunde. Jetzt steigen wir ab zum Khumbu Eisfall. Die kleinen blauen Eisberge sehen sehr schön aus. Bis zum Everest Base Camp ist es jedoch noch sehr weit. Ich habe nun keine Lust mehr weiter zu gehen, denn es schaut fast kein Ende heraus. Zudem ist der Weg sehr schlecht und es geht ständig bergauf und bergab. Also kehre ich um 13:30 bei etwa 5320m um. Nach einer Rast gehe ich von 14 bis 15 Uhr nach Gorak Shep (5100m) zurück. Schließlich komme ich halbwegs geschlaucht um 16:30 wieder in Lobuche (4930m) an. Dies war bisher der anstrengenste Tag.
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| Der berühmte Blick vom Kalar Pattar hinüber zum Everest und Nuptse |
Fr 27. Okt.: Lobuche (4930m): Tagwache: 5:30. Für heute haben wir eine gemütliche Etappe am Programm denn wir lassen den Kongma La aus, weil es den Trägern zu gefährlich ist über den Pass zu gehen. Wir gehen also unten herum bis nach Chhukhung (4730m). Der Himmel ist wolkenlos und es dürfte also wieder ein schöner Tag werden. Es hat heute -6°C. Von 8:15 bis 9:15 gehen wir relativ flott hinunter nach Dughla (4620m). Wir kommen am Friedhof der im Khumbu Eisfall verunglückten vorbei. Gestern, so hört man, sollen von 6 Bergsteigern in der Jobo Lhaptshan Nordwand 4 tödlich abgestürzt sein. Etwa zu dieser Zeit sind wir an dieser Wand vorbeigekommen. Nach einer weiteren Stunde sind wir in Dusa (4503m). Jetzt haben wir den ersten Blick in Richtung Chhukhung und zum Island Peak (6189m). Der Island Peak sieht zwar neben dem Lothse winzig aus, ist aber doch ein ganz schöner Berg. Hoffentlich schaffen wir ihn. Nach dem Mittagessen geht es um 12:45 weiter nach Chhukhung. Wir haben immer den Island Peak vor uns. Rechts neben uns ist die Ama Dablam (6856m) und links die Felswände des Nuptse (7879m), des Lothse (8501m) und Lothse Shar (8383m). Um 14:45 kommen wir nach einer gemütlichen Tour in Chhukhung (4730m) an.
Sa 28. Okt.: Chhukhung (4730m): Tagwache: 6 Uhr. Ich habe heute angenehme +5°C im Zelt, draußen hat es -4°C. Um 8:15 gehen wir los. Es ist, bis man den richtigen Rhythmus findet, ganz schön anstrengend. Es ist jetzt 9 Uhr und wir sind etwas über 5000m. Um 11 Uhr nach einer Gehzeit von 2 ½ - 3 Stunden bin ich dann am Gipfel des Chhukhung Ri (5546m). Die Gipfelstimmung ist nicht besonders. Deutschland ist am Gipfel. Als ich ankomme wird gerade: " Ja, ja in Korsika da sind die Mädchen schön...." gesungen. Ich steige gleich wieder soweit ab, bis ich sie nicht mehr sehen und hören kann. Hier halt ich es nun aus und kann den Gipfel genießen. Der Blick zur Ama Dablam (6856m) im Süden, zum Makalu (8475m) und Island Peak (6189m) im Osten sowie zum Nuptse (7879m), Lothse (8501m) und Lothse Shar (8383m) im Norden ist gigantisch. Das Wetter ist wunderbar - es ist keine einzige Wolke am Himmel. Beeindruckend sind die riesigen Gletschermoränen wenn man hinunterschaut, denn von unten kann man die Ausmaße nicht erkennen. Nach 1 ¾ Stunden des vollkommenen Gipfelgenusses steige ich um 13 wieder ab. Um 14 Uhr komme ich nach einem sehr flotten Marsch wieder in Chhukhung (4730m) an.
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Der Blick vom Chhukhung Ri hinüber zum Island Peak und
Makalu
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So 29. Okt.: Chhukhung (4730m): Tagwache: 7:30. Wir legen heute einen Rasttag vor dem morgigen Gipfeltag ein, um richtig fit zu sein für den 6000er. Um 10 Uhr machen wir eine Steigeisen-, Brustgurt-, und Sitzgurt-Probe. Hermann erklärt uns, wie wir uns mittels Prusik-Knoten im steilen Teil des Gletschers am Fixseil sichern und wir üben es anschließend gleich. Am Nachmittag spaziere ich rund um das Zeltlager und vertreibe mir die Zeit mit Steinessammeln. Ich finde jede Menge schöner Steine und muss eine Auswahl treffen, da ich ja nicht 5 kg mitnehmen kann.
Mo 30. Okt.: Chhukhung (4730m): Tagwache: 6:30. Wir haben heute eine gemütliche Etappe bis zum Island Base Camp (5100m) vor uns. Um 8:30 marschieren wir los. Der Weg ist nicht steil und so kann man das Gehen richtig genießen. Es ist jetzt 10 Uhr und ich mache eine Rastpause vor der Lothse Südwand (8501m). Hier gibt es jede Menge Edelweiß, sodass man aufpassen muss, wenn man sich hinsetzt, dass man nicht ein ganzes Büschel niederbügelt. Um 11:30 kommen wir nach 3 Stunden im Island Peak Base Camp an. Am Nachmittag mache ich von 14 - 15 Uhr einen kleinen Spaziergang hinauf auf die Gletschermoräne. Das Wetter ist wunderschön. Es pfeift jedoch der Wind und vom Gletscher her kommt manchmal eine richtige Staubwolke auf mich zu. Wangchhu und zwei andere Sherpa tragen am Nachmittag noch die Fixseile und Alustangen, die zum Befestigen der Seile dienen, bis zum Gletscher auf etwa 5800m hinauf.
Di 31. Okt.: Island Peak Base Camp (5100m): Tagwache: 3:30. Um 4:20 gehen wir mit den Stirnlampen bei völliger Dunkelheit vom Base Camp weg. Wir kommen, trotz des relativ steilen Weges, gut voran und sind um 7:15 schon auf 5800m beim Gletscheranfang. Am Weg bis zum Gletscher erleben wir wie die Sonne die Ama Dablam (6856m) von rot bis weiß verfärbt. Es ist ein wunderschönes Naturschauspiel. Vor dem Gletscher legen wir unseren Brust- und Sitzgurt an und befestigen die Steigeisen an den Schuhen. Dann geht's los. Erst überqueren wir den flacheren Teil des Gletschers, dabei sehen wir schon zum steilen Südwandteil der etwa 150 Höhenmeter hat und den wir nach etwa einer ½ Stunde erreichen werden. Als wir beim steilen Teil, der etwa 45-50° hat, ankommen, will ich nicht warten bis Hermann die Fixseile montiert hat. Irgendwie war es für mich immer schon ein Traum so eine Eisrinne einmal hinaufzusteigen. Also ziehe ich los. Ich komme sehr gut voran und sehe mal nach oben und mal nach unten. Ich stehe ganz schön im Genuss. Der Pickel hält sehr gut im Eis und so steige ich mit den Frontzacken der Steigeisen zügig hoch. Da ich ungesichert aufsteige, suche ich mir einen eigenen Weg und gehe einige Meter neben der Spur für den Fall, dass jemand oder etwas herunterkommt - denn das würde mich mitreißen und für mich den Tod bedeuten. Als ich dann am Gipfelgrat, der etwa 50m lang ist, ankomme, weht fürchterlich der Wind. Ich denke schon ob ich nicht umdrehen soll um nichts zu riskieren. Dann nehme ich den Pickel fest in die Hand und setzte ihn alle zwei Schritte neu und tief im Eis an. So arbeite ich mich langsam aber sicher über den schmalen Grat zum Gipfel hinauf. Genau um 10 Uhr stehe ich am Gipfel. Ich muss allerdings sagen, dass ich das Panorama nicht so genossen habe wie den Sieg über diesen Berg. Am Gipfel bläst der Wind und manchmal kommt eine Bö mit Eiskristallen daher. Es hat -7°C.
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| Der Aufstieg zum Island Peak - im Hintergrund die Ama Dablam |
Um 11:15, nach 1 ¼ Stunden am Gipfel, steige ich wieder ab und bediene mich, da das Eis wegen der Sonneneinstrahlung jetzt nicht mehr so gut hält, gerne der Fixseile die Hermann angebracht hat. Ich sichere mich mittels Prusik-Knoten und steige langsam ab. Um 12:20 bin ich wieder im flacheren Teil des Gletschers und somit außer Gefahr. Um 14:15 komme ich dann nach genau 3 Stunden wieder im Base Camp (5100m) an. Ich setzte mich hin und werde nach kurzer Zeit so müde, dass ich meine Schalenbergschuhe bis zum Abend nicht ausziehe. Schon um 17:20 verkrieche ich mich nach dem anstrengenden Gipfeltag in meinem Schlafsack.
Mi 1. Nov.: Island Peak Base Camp (5100m): Tagwache: 6:30. Von 8:15 bis 10:15 gehen wir in 2 Stunden vom Base Camp (5100m) nach Chhukhung (4730m) zurück. Am Rückweg nach Chhukhung wird mir die gestrige Bergbesteigung noch einmal bewusst. Sie läuft nochmals vor meinen Augen ab, und ich bin sehr glücklich, alles gut überstanden zu haben. Von 10:30 bis 12 Uhr gehen wir dann weiter hinunter bis nach Dingpoche (4360m). Nach der Mittagspause gehen wir um 13 Uhr in Dingpoche weg. Schon um 14:15 sind wir in Shomare (4020m) und um 15 Uhr in Pangpoche (3985m). Nach weiteren 1 ½ Stunden kommen wir dann nach einer sehr langen Tagesetappe beim Kloster in Tengpoche (3867m) an. Es war jedoch nicht sehr anstrengend, weil es fast immer bergab ging und wir die schöne Landschaft beim Gehen genießen konnten.
| Island Peak | ![]() |
Do 2. Nov.: Tengpoche (3867m): Tagwache: 6:30. Die Temperatur ist ganz angenehm. Wir sind froh, dass wir die kalten Regionen jetzt hinter uns haben. Heute haben wir einen gemütlichen Rasttag. Wir besichtigen das Kloster und spazieren ein wenig in der Gegend herum. Da das Kloster ganz oben auf einem Hügel steht, ist es ein idealer Aussichtpunkt. Wir haben noch einmal einen herrlichen Blick auf die gewaltigen Berge rundherum und sehen die Täler und weit entfernt die Wege die wir gegangen sind. Das Wetter ist wunderschön und wir können den Tag richtig genießen. Am Abend gibt es dann noch einen einmaligen Sonnenuntergang zu beobachten. Die Berge verfärben sich orange ehe die Dunkelheit und Kälte über sie hereinbricht.
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| Lothse Südwand - Sonnenuntergang |
Fr 3. Nov.: Tengpoche (3867m): Tagwache: 7 Uhr. Jetzt geht's schön langsam zurück. Von 8:15 bis 9:15 gehen wir nach Phunki (3250m) hinunter. Wir überqueren einen Fluss und steigen dann wieder auf nach Sanasa (3600m). In Sanasa sind wir um 11 Uhr. Um 13:30 komme ich schließlich wieder am Zeltplatz in Namche Bazar (3440m) an. Der Kreis hat sich geschlossen. Kurz vor Namche genieße ich noch einmal den letzten Blick auf die großen Berge. Everest (8848m) und Ama Dablam (6856m) sind leider in Wolken gehüllt und so nehme ich Abschied von Lothse (8501m) und Lothse Shar (8383m).
Sa 4. Nov.: Namche Bazar (3440m): Tagwache: 7 Uhr. Die Temperatur: +1°C im Zelt. Wir wollen heute den Tag in Namche verbringen. Samstag ist Markttag in Namche und wir freuen uns schon darauf, denn es soll dann hier besonders turbulent zugehen. Den ganzen Vormittag verbringe ich dann auch am Markt. Es ist wirklich sehr interessant hier die Menschen beim Handeln zu beobachten. Mir wurde dabei jedenfalls nicht fad. Am Nachmittag bin ich im Ort spazieren gegangen und mal dort und mal da herumgesessen.
So 5. Nov.: Namche Bazar (3440m): Tagwache: 6 Uhr. Heute steht die letzte Etappe bis nach Lukla (2850m) am Programm. Von 7:50 bis 8:30 gehen wir hinunter bis zum Zusammenfluss des Dudh Kosi und des Bothe Kosi. Hier überqueren wir den Fluss auf einer sehr hohen Hängebrücke. Um 9 Uhr sind wir dann in Jorsale (2830m). Um 8:45 gab es kurz vor der hohen Hängebrücke den letzten Blick zum Everest. Um 9:30 verlassen wir dann den Sagarmatha (Everest) Nationalpark. Unsere Trekkingpermits werden abgestempelt und wir werden aus einer Liste ausgestrichen. Schließlich kommen wir nach 3 Stunden Gehzeit in Phakding (2650m) an. Von 12:30 bis 14:30 absolviere ich die letzte Strecke bis nach Lukla (2850m) in einem sehr sportlichen Tempo. Ich schwitze noch einmal so richtig und fühle mich in Lukla erleichtert, als ich mich auf der Terrasse der Lodge neben dem Flugfeld, zu einem gemütlichen Bier setze.
Mo 6. Nov.: Lukla (2850m): Tagwache: 6:30. Um 7 Uhr muss heute das Gepäck für den Hubschrauber fertig sein, denn um 9 Uhr sollten wir nach Katmandu zurückfliegen. Nach einer leichten Verspätung fliegen wir dann von 9:30 bis etwa 10:10 mit einem alten russischen Militärhubschrauber nach Katmandu zurück.