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Artikel in HKM 5/2005:

Die Bärenlucke (Kat.-Nr.: 1836/180) am Schlagerboden bei Frankenfels

von Reinhard und Walter Fischer

Zusammenfassung:
Der Eingang, der im März 2003 nahe der altbekannten Mariannenhöhle (Kat.-Nr.: 1836/18) entdeckten Bärenlucke, wurde bei mehreren Grabungsfahrten auf befahrbare Ausmaße erweitert und somit das ausgedehnte Hinterland zugänglich gemacht. Im weiteren Verlauf des Jahres 2003 konnten in der zum Teil labyrinthartig entwickelten Höhle 691 m an Ganglänge vermessen werden. Der die Bärenlucke entwässernde Canyon nähert sich bis auf ca. 15 m an die tagfernsten Teile der Mariannenhöhle und dürfte über Siphons auch mit ihr in Verbindung stehen. Im Jahr 2004 wurden noch etliche Seitenstrecken eingemessen, sodaß die Ganglänge um 62 m auf 753 m anstieg. Die weiteren Arbeiten werden sich auf das Ausgraben des komplett verlehmten Sisyphuscanyons (Wetterführung) und die Erforschung des Quellsiphons konzentrieren. Auch der Versuch des Zusammenschlusses mit der Mariannenhöhle erscheint interessant, würde doch daraus ein Höhlensystem mit einer Ganglänge von deutlich über 1 km resultieren.

Vorgeschichte:
Als im Februar 2003 begonnen wurde, die Mariannenhöhle einer Neuvermessung zu unterziehen und dabei auch Neuland gefunden wurde (siehe "Zwischenbericht Mariannenhöhle" von E. Herrmann in den HKM 9/2003), rückte auch die nähere Umgebung der Mariannenhöhle sowie der gesamte Schlagerboden mit seinen Karsterscheinungen wieder in das Interesse der Höhlenforscher. Weiters erfuhren die Verfasser von A. Hofmarcher die Geschichte des längst verstorbenen Altbauern vom Hofe Grub. Dieser erzählte stets von einer Höhle unweit der Mariannenhöhle, jedoch viel größer als diese, deren Eingang mittlerweile verschüttet wäre. Die Höhle solle so weitläufig gewesen sein, daß sie bis unter den Grubbauernhof geführt hätte, da man am Höhlenende bereits die Hühner gackern hörte. Am 30. März 2003 unternahmen A. Hofmarcher und W. Fischer eine Erkundung des Geländes zwischen Grubbauernhof und Mariannenhöhle. Dabei konnte im "Bärenlucke" genannten Graben eine kleine Klufthöhle aufgefunden werden, die jedoch bereits nach wenigen Metern unbefahrbar eng war. Am 19. April fanden sich die Verfasser mit Messzeug bei der Höhle ein, um die mit 5 m Länge gerade noch katasterwürdige Kluftstrecke zu vermessen. Der unschliefbaren Kluftfortsetzung in 1,5 m Höhe entströmte an diesem Tag eine starke Wetterführung, was in der Folge zu umfangreichen Erweiterungsarbeiten motivierte. Neben den Verfassern waren Alexander Klampfer und Thomas Gundacker maßgeblich an den Grabungen beteiligt und am 21. Juni 2003 gelang es Alex schließlich im Alleingang, die Engstelle im Bodenbereich zu untergraben und den Zutritt zu den hinteren Teilen der nun Bärenlucke genannten Höhle zu ermöglichen.

Chronik der Forschungen und Vermessungen bis Ende 2004:
Datum Teilnehmer Tätigkeiten
30.03.2003 August Hofmarcher, Walter Fischer Entdeckung der Bärenlucke im gleichnamigen Graben nahe der Mariannenhöhle. Es handelt sich um eine ca. 5 m lange Klufthöhle mit unschliefbar schmalem Ende.
19.04.2003 Reinhard und Walter Fischer Bei der Vermessung wird eine starke auswärtsgerichtete Wetterführung festgestellt. Mit allerlei Verrenkungskunst kann man sogar einen Blick auf die hinter der Engstelle ansetzende Fortsetzung erhaschen.
24.05.2003 Thomas Gundacker, Reinhard und Walter Fischer Derlei motiviert beginnt nun die große Grabungsaktion. Ziel ist es, die in etwa 1,5 m Höhe beginnende Engstelle im erdigen Bodenbereich zu untergraben.
31.05.2003 Alex Klampfer, Reinhard und Walter Fischer Nachdem einige riesige Blöcke und Unmengen an Erdreich - ohne Aussicht auf baldigen Durchbruch - weggeräumt waren, stellt sich kurzfristig ein kleines Motivationstief ein.
15.06.2003 Eckart Herrmann, Alex Klampfer, Peter Straka, Walter Fischer Nach einer Vermessungstour in die Mariannenhöhle wird noch die Bärenlucke aufgesucht und alibimäßig ein bißchen gebuddelt.
21.06.2003 Alex Klampfer, Walter Fischer Hochmotiviert gelingt es Alex an diesem Tag sich im Alleingang durchzuwühlen und erstmals die Bereiche hinter der Engstelle zu betreten und zu erkunden. Via Handy alarmiert, kann Walter mit ausreichend Halteseil zu Hilfe eilen und die weitere Erforschung ermöglichen. Es werden an diesem Tag ca. 200 m Neuland begangen.
13.07.2003 Eckart Herrmann, Michi Behm, Reinhard und Walter Fischer Mit zwei Messgruppen (Eckart und Michi, Reinhard und Walter) wird der Höhle nun zu Leibe gerückt. Eckart und Michi beginnen beim Eingang und vermessen entlang des Hauptganges und einige Seitenstrecken (187 m). Reinhard und Walter widmen sich der Erkletterung des Schrägen Zeugs und des Tropfsteinschlotes (59 m).
02.08.2003 Katrin Tauber, Thomas Gundacker, Reinhard Fischer, Helga und Wilhelm Hartmann Weitervermessung des Hauptganges durch Katrin, Thomas und Reinhard, sowie Erkundung eines Richtung Mariannenhöhle ziehenden, wasserführenden Canyons. Beginn der Außenvermessung durch Helga und Willi.
09.08.2003 Thomas Gundacker, Reinhard und Walter Fischer Vermessung des wasserführenden Canyons, dessen Befahrbarkeit mit einem nur etwa 15 m von der Mariannenhöhle entfernt liegenden Siphon endet.
17.08.2003 Helga und Wilhelm Hartmann Weiterführung der Außenvermessung.
30.08.2003 Reinhard und Walter Fischer Vermessung des eingangsnahen, 15 m tiefen Schlapfenschachtes sowie eines tropfsteingeschmückten Rundganges im Firstbereich des Schrägen Zeugs.
06.09.2003 Alex Klampfer, Martin Häusler Nachdem einige grobe Blöcke weggeräumt sind, kann der Zicke-Zacke-Canyon erkundet werden.
20.09.2003 Alex Klampfer, Walter Fischer Vermessung des Zicke-Zacke-Canyons, der in den Deckenbereich bereits vermessener Strecken einmündet. Beginn der Grabungsarbeiten im Sisyphuscanyon. Hier füllt ein Lehmpfropfen das gesamte Gangprofil aus.
27.09.2003 Katrin Tauber, Thomas Gundacker, Alex Klampfer, Martin Häusler, Walter Fischer Katrin, Thomas, Alex und Martin versuchen eine Verbindung durch die Siphons der Mariannenhöhle zur Bärenlucke herzustellen, scheitern aber an zu viel Wasser und Schlamm. Walter buddelt sich unterdessen im Sisyphuscanyon der Bärenlucke weiter und wird später von Katrin und Thomas unterstützt.
04.10.2003 Walter Fischer Walter gräbt im Sisyphuscanyon weiter. Pro Tag kommt man hier etwa max. 1 m voran.
10.10.2003 Alex Klampfer Alex gräbt sich im Sisyphuscanyon wieder einen halben Meter weiter.
11.10.2003 Alex Klampfer, Reinhard und Walter Fischer Vermessung des im Schrägen Zeug ansetzenden Akrobatikschachtes und des Akrobatikcanyons.
18.10.2003 Alex Klampfer, Michi Behm Erstbefahrung des oberen Einstiegs durch Michi. Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon ...
25.10.2003 Alex Klampfer, Michi Behm, Thomas Gundacker, Lukas Plan Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon ...
02.11.2003 Thomas Gundacker, Reinhard und Walter Fischer Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon, sowie Vermessung der ersten 5 ausgegrabenen Meter.
08.11.2003 Katrin Tauber, Thomas Gundacker, Alex Klampfer, Hermann Leb In der Endhalle wird ein schmaler Canyonansatz von Blockwerk befreit und die ersten, sehr engen Meter werden erkundet.
Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon ...
21.12.2003 Thomas Gundacker, Alex Klampfer Der enge Canyon, beginnend in der Endhalle nun Geiler-Gully benannt, wird erforscht und vermessen. Weiters erfolgt die Einmessung eines engen Schlotes im Südteil der Endhalle.
Und wie üblich: Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon ...
24.01.2004 Willi Lengauer, Katrin Tauber, Thomas Gundacker, Walter Fischer Ein Auspumpversuch des Quellsiphons scheitert trotz großem Aufwandes wegen technischen Schwierigkeiten.
Somit bleibt nur Eines übrig: Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon ...
08.02.2004 Reinhard und Walter Fischer Wieder Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon ...
29.02.2004 Eckart Herrmann, Reinhard und Walter Fischer Reststreckenvermessung und Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon.
10.04.2004 Thomas Gundacker, Walter Fischer Weiterbuddeln im Sisyphuscanyon ...
11.09.2004 Thomas Gundacker, Alex Klampfer, Johannes Datzberger, Reinhard und Walter Fischer Auspumpversuch des Quellsiphons sowie Vermessung der ersten Meter in der Siphonstrecke.
23.10.2004 Willi und Thomas Lengauer, Alex Klampfer, Reinhard und Walter Fischer Der Quellsiphon wird komplett leergepumpt (ca. 30.000 Liter) und der ansteigende Ast erkundet. Leider endet die gatschige Strecke nach ca. 20 m bei einem weiteren Siphon. Die Vermessung wird wegen zuviel Dreck abgebrochen.
Reinhard gelingt die Erkletterung einer Fortsetzung im Deckenbereich der Sinterrutsche - die weitere Erforschung und Vermessung ist noch ausständig.
30.10.2004 Thomas Gundacker, Reinhard und Walter Fischer Die Strecke im Deckenbereich der Sinterrutsche wird eingemessen. Eine weiter nach oben ziehende sehr enge Röhre bleibt unerforscht.
12.12.2004 Thomas Gundacker, Michael Kern Erweiterungsarbeiten in der Fortsetzung des Deckencanyons vom Sisyphuscanyon.
30.12.2004 Thomas Gundacker, Walter Fischer, Martin und Wolfgang Jager Weitere Grabungsarbeiten im Sisyphuscanyon. Martin und Wolfgang stossen unerwartet dazu und helfen tatkräftig mit. Erstmals wird ein kleiner luftgefüllter Hohlraum angefahren - eine leichte Wetterführung entwickelt sich.

Lagebeschreibung:
Der Eingang (a) öffnet sich am Fuß von unscheinbaren, stark verwachsenen Felswänden etwa 220 m SSO der Mariannenhöhle in der orographisch linken Seite des "Bärenlucke" genannten Grabens, der vom Gehöft Grub am Schlagerboden zum Talschluß des Höllgrabens hinabzieht. In ÖK50 Nr. 72 ist im Bereich des Grabens unter dem Eingang der Höhle eine Quelle eingezeichnet, die aber lediglich einen diffusen Wasseraustritt darstellt. Der kürzeste Zustieg (ca. 5 Minuten) erfolgt vom Gehöft Grub zuerst über Wiesen und danach steil durch den Wald abwärts (insgesamt 200 Meter). Da hier wenig Platz ist, sollten Höhlenbesucher ihr Fahrzeug schon davor abstellen, oder besser noch auf diesen Kurzzustieg verzichten und den nur wenig längeren, wiesenschonenderen Weg aus dem Höllgraben nehmen.

Basisdaten:
Kat.-Nr. 1836/180a,b, Sh 665 m, L 753 m, H 64 m (+9 m, -55 m), alle Daten bezogen auf Eingang a).

Raumbeschreibung:
Eingang – Hauptgang – Endhalle (264 m)
Dem 2 m breiten, mannshohen Eingang (a) folgt eine schmäler werdende Kluftstrecke, die ursprünglich nach 5 m bei einer unbefahrbaren Engstelle 1,5 m über dem Boden geendet hatte. Nachdem einige größere Blöcke sowie Unmengen an Erde und Lehm herausgegraben wurden, ist nun im Bodenbereich ein enger Schluf zugänglich, der nach 1,5 m in eine bescheidene Erweiterung leitet. Bei feuchtem Wetter verwandelt sich der Schluf in einen schlammigen Halbsiphon, es ist dann die 9 m oberhalb im Waldboden liegende kleine Einstiegsöffnung (b) vorzuziehen. Zwischen Wurzeln und Lockermaterial gelangt man hier sehr kleinräumig, aber trocken, ebenfalls in die Erweiterung. Hinter einer weiteren kurzen Engstelle liegt der erste größere Raum der Höhle. Der Boden des 7 m langen und bis 4 m breiten Raumes fällt steil über feuchten Lehm bis zu einer Blockanhäufung ab. Die schlotartig ansteigende Decke verliert sich in etwa 10 m Höhe in einem schmalen Deckencanyon. Rechterhand (nördlich) ist hinter einem großen Felsfenster der geräumige Schlot- bzw. Schachtraum des Schlapfenschachtes angeschlossen. Geradeaus weiter wird die Strecke auf einer Länge von 4 m von riesigen Blöcken verengt, unter denen sich an der Westseite der labile Einschlupf in den unterlagernden Zicke-Zacke-Canyon befindet. In der anschließenden Raumerweiterung steigt die Breite auf ca. 6 m, die Raumhöhe beträgt ebenfalls etwa 6 m. Der Boden besteht aus Blöcken und wird beidseitig von steil ansteigenden, teilweise versinterten Felsplatten flankiert. Von dem Ost-West verlaufenden, an einer Kluftkreuzung angelegten Raum zweigen sowohl nach Norden als auch nach Süden bedeutende Seitenstrecken ab. Südlich setzt in einer tropfsteingeschmückten Nische im Deckenbereich der Südcanyon an, der den Zugang zur Weißen Fee vermittelt. Nördlich bietet ein schmaler, mannshoher Gang die erste Möglichkeit ins Schräge Zeug zu gelangen. Der Hauptgang zieht als steil abwärtsführende, knapp 2 m breite und ebenso hohe Röhre weiter westwärts. Der anfangs schön versinterte Boden geht bald in einen groben Blockboden über und der Gang mündet nach 7 m in die nächste, 7 m mal 4 m messende Raumerweiterung. In diesem, wiederum an sich kreuzenden West-Ost, Nord-Süd verlaufenden Klüften angelegten Raum, setzt an der westlichen Raumbegrenzung im Bodenblockwerk der Sisyphuscanyon an. Ein in südliche Richtung führender Schluf mit Sedimentboden endet nach knapp 4 m. Der Hauptgang knickt hier nach Norden um, der Blockboden weicht einem Sinterboden und die 2,5 m breite, knapp 2 m hohe Strecke bricht über einen Sinterwall 3 m tief in die Sinterrutsche ab. Unmittelbar vor dem Abbruch in die Sinterrutsche tritt an der linken Seite (westlich) im Deckenbereich ein kleines, episodisch aktives Gerinne ein, das für die nachfolgenden, ausgedehnten Wand- und Bodenversinterungen verantwortlich ist. Die Sinterrutsche ist ein 5 m bis 10 m hoher, 2 m breiter Gang mit komplett versintertem Boden, der mit einer Neigung von durchschnittlich 40° abwärts zieht (Halteseil erforderlich). Beim Beginn der Sinterrutsche mündet rechts (östlich) im Deckenbereich eine elliptisch profilierte Röhre mit bis 3 m Breite und anfangs 2 m Höhe ein, die schlotartig ansteigend einen weiteren Zustieg ins Schräge Zeug darstellt. Die insgesamt 25 m lange, zuerst in nördliche Richtung verlaufende Sinterrutsche knickt auf halber Strecke rechtwinkelig nach Osten um und bricht schließlich mit einem Sinterwall 2 m tief in den Großen Dom ab. Der große Dom ist ein 5 m breiter, insgesamt 18 m langer und maximal 10 m hoher Raum, der über grobes Blockwerk steil nach Südosten abfällt. An der nördlichen Begrenzung setzt nahe der Einmündung der Sinterrutsche, in 5 m Höhe der Akrobatikcanyon an. Im Deckenbereich münden weiters der Akrobatikschacht sowie der Zicke-Zacke-Canyon ein. Der Boden des Großen Domes ist größtenteils mit einer dicken Sinterschicht überzogen, in die zahlreiche Wasseransammlungen und kleine Wasserbecken eingebettet sind. Nach 10 m knickt der Raum im rechten Winkel nach links (NO) und beginnt schmäler und niedriger zu werden. Hier zweigt an der südlichen Raumbegrenzung eine schmale, 5 m hohe Kluft zum Quellsiphon ab, dem bei erhöhtem Wasserangebot ein Bach mit mehreren Sekundenlitern entströmt. Auch starke Tropftätigkeit sowie ein Gerinne, welches über die Sinterrutsche in den Großen Dom plätschert verleihen diesem Höhlenteil bei feuchtem Wetter den Charakter einer hochaktiven Wasserhöhle. In der Folge verflacht sich der Boden und die Strecke geht nach einigen größeren Blöcken in einen kleinräumigen Gang mit ebenen Lehmboden über. Im feuchten Lehm befinden sich etliche Wasserbecken, bei Hochwasser ist die gesamte Sohle ca. 20 cm hoch überflutet. Der 1 m breite, nordwärts ziehende Gang mündet nach 8 m und einigen Bückstellen in einen bis 4 m hohen Kolkraum mit einer Wasseransammlung (-40 m bezogen auf Eingang a). Im Bodenbereich verschwindet das Gerinne linkerhand (westlich) in einer unschliefbaren Spalte und mündet nach einem kurzen, unbefahrbar engen Abschnitt in den Wassercanyon. Der Hauptgang führt nach einer Engstelle von nun ab ansteigend und geräumiger werdend weiter nach Norden. Der Boden des 2 m breiten und knapp ebenso hohen Ganges ist mit dicken Lehmablagerungen bedeckt. Nach 8 m trifft man auf den links (westlich) einmündenden Bergmilchgletscher. Es ist dies eine anfangs 7 m breite, steil ansteigende Strecke, deren feuchter Lehmboden mit einer schönen weißen Bergmilchschicht überzogen ist. An der südlichen Begrenzung, in der sich auch die zwei engräumigen Einschlupfe in den Wassercanyon befinden, kann in einer gatschigen Rinne 5 m aufgestiegen werden. Der Bergmilchgletscher selbst steigt weiter zu einem immer schmäler werdenden Gang an, der nach weiteren 4 m endet und einen kleinen Sohlencanyon aufweist. Aus einer unschliefbaren Spalte tritt hier ein kleines Gerinne ein.
Unterhalb des Bergmilchgletschers den Hauptgang weiter folgend, erreicht man nach 20 m einen westlich angegliederten Canyon, der mit einer mannshohen Stufe wieder in den Hauptgang abbricht und damit einen kleinen Rundgang darstellt. Im Lehmboden des Hauptganges sind in diesem Bereich einige größere Blöcke eingebettet und ein kleiner Sohlencanyon in den Lehm eingetieft. Der sich auf 1 m Breite verjüngende Gang steigt nun steil über grobes Blockwerk an und mündet mit einer 2 m hohen Kletterstelle in die Mitte der Längsseite der 15 m langen, bis 5 m breiten und etwa 10 m hohe Endhalle. Die Endhalle, deren Boden großteils übersintert ist, läuft nach NNW ansteigend spitz zusammen und endet mit zwei unbefahrbahren lehmigen Spalten, nach SSO fällt sie über große Blocke steil ab. An der nordöstlichen Begrenzung setzt 3 m über dem Boden der Tropfsteinschlot an. Es ist dies eine 5 m breite, steil aufwärtsführende Schrägstrecke mit Tropfsteinschmuck und Sinterboden. An der Abbruchkante in die Endhalle stehen zwei markante, ca. 40 cm hohe Stalagmiten. Der Tropfsteinschlot endet nach 10 m mit einer unschliefbaren Engstelle (-14 m bezogen auf Eingang a). Die Endhalle wird durch vielfältige Tropfsteinbildungen geschmückt, bemerkenswert sind lange Sinterfahnen an der nordwestlichen Raumbegrenzung. In der südlichen Begrenzung ist über große Blöcke aufsteigend eine sehr kleine Öffnung erreichbar, die in einen 7 m langen, schlotartigen Kluftraum leitet. Nahe dem tiefsten Punkt der Halle setzt in der östlichen Raumbegrenzung der sehr schmale Geile Gully an. Die enge, abwärtsziehende Canyonstrecke wurde erst nach Ausräumen von Blöcken befahrbar und leitet nach 7 m in eine bescheidene Erweiterung mit einer Verzweigung. Weiter abwärts endet die Strecke mit einem 3 m tiefen, senkrechten Abstieg im Versturz. Aufwärts kriechend ist noch ein schmaler Gang zugänglich, der jedoch nach 7 m zu eng wird.

Plan
Schlapfenschacht (52 m)
Der Schlapfenschacht setzt in der ersten großen Raumerweiterung nach der Eingangskluft rechterhand (nördlich) mit einem 4 m breiten und ebenso hohen Felsfenster an. Vom Schachtansatz, wo zahlreiche Blöcke etwas labil lagern, bricht die Strecke, anfangs gestuft, 6 m tief in einen Raum mit 3 m Durchmesser ab. Knapp vor der nördlichen Raumbegrenzung bricht einerseits der Schacht mit zwei Einschlupfen schmal weiter ab, andererseits kann man in eine schlotartige Überlagerung emporklettern. Ein riesiger Klemmblock bildet in diesem Schlotraum eine Plattform, von der noch eine Kluftstrecke 4 m über Bodensinter steil aufwärts bis zu einem unbefahrbar engen Linksknick führt (-1 m bezogen auf Eingang a). Der Schlot selbst verliert sich in einem unschliefbaren Deckencanyon.
Der vom Grund des Schachtraumes abbrechende schmale Schacht weist in 3 m Tiefe einen blockbedeckten Absatz auf, der östlich 6 m tief in einen weiteren, 4 m mal 3 m messenden Schachtraum abbricht. Westlich vom blockbedeckten Absatz führt der schmale Schacht mit Wandversinterungen parallel zum Schachtraum nach unten und besitzt am Grund einen abfallenden Durchgang zu diesem. An der westlichen Wand des Schachtraumes mit ebenem blockbedecktem Boden (-19 m bezogen auf Eingang a) befindet sich ein 10 cm breiter Schlitz, der eine unbefahrbare Verbindung zum Zicke-Zacke-Canyon darstellt. In der östlichen Schachtwand setzt im Deckenbereich, in schwieriger Kletterei erreichbar, eine steil aufwärtsführende Kriechstrecke an, die durch grobes Blockwerk begrenzt wird und nach 5 m in einer verstürzten Kammer endet. Hier wurde ein stark angeknabberter, für den Höhlenteil namensgebender, Birkenstock-Schlapfen aufgefunden. Einen weiteren, etwas skurrilen Höhleninhalt stellen in diesem Teil aufgefundene Eierschalen dar, welche Assoziationen zu der Geschichte des Altbauern weckten (siehe Vorgeschichte).

Zicke-Zacke-Canyon (51 m)
Dieser Höhlenteil beginnt unterhalb von großen Blöcken im Verlauf des Hauptganges, etwa 18 m vom Eingang entfernt, mit einem 3 m tiefen Abstieg zwischen wackeligen Blöcken (Versturzgefahr).
Eine steil abwärtsziehende Röhre besitzt an ihrer rechten (östlichen) Seite eine Öffnung durch die man in einen schrägen Canyonraum hinabklettern kann. Die schmale Canyonstrecke zieht 8 m steil in Richtung WNW abwärts, knickt dann nach ONO um und führt weiter steil abwärts in den nächsten schmalen Raum. An der östlichen Raumbegrenzung setzt mehrere Meter über dem Boden eine äußerst enge Strecke an, die nach 2 m unbefahrbar wird und die Verbindung zum Schlapfenschacht darstellt.
Vom Grund des Raumes zieht die Strecke nun wiederum Richtung WNW als ebener Kriechgang mit Sedimentboden weiter, der nach 6 m als schmaler Kluftschacht abbricht und in 4 m Tiefe an der Decke, 8 m über dem Grund des Großen Domes ausmündet. Quert man den Abbruch in den Großen Dom, erreicht man einen Rechtsknick, wo der hier 0,5 m breite und 1,5 m hohe Zicke-Zacke-Canyon in den Akrobatikschacht einmündet.

Südcanyon – Weiße Fee (51 m)
Etwa 20 m vom Eingang entfernt setzt an der südlichen Begrenzung des Hauptganges, oberhalb einer schrägen, schön versinterten Felsplatte der Südcanyon an. Der enge Einschlupf in den Canyon liegt in einer tropfsteingeschmückten Nische, die in leichter Kletterei erreichbar ist. Auf den ersten 6 m ist der Canyon zum Teil mit Blockwerk verlegt, sodaß er nur im Firstbereich schliefend befahrbar ist. Nach insgesamt 10 m befindet sich eine übermannshohe Kammer mit einer Verzweigung. In östliche Richtung zieht ein schmaler ansteigender Gang, der nach 13 m bei unschliefbaren, verlehmten Engstellen endet.
Von der Kammer nach Süden leitet der sehr engräumige Canyon mäandrierend nach 7 m in eine kleine Halle mit der markanten Bergmilch-/Tropfsteinfigur "Weiße Fee". Die Halle mit steil abfallendem, teils übersintertem Lehmboden ist 9 m lang, 5 m breit und bis 3 m hoch. An der östlichen Raumbegrenzung befindet sich nahe der Einmündung des Südcanyons die übermannshohe, reinweiße Formation "Weiße Fee". Südlich davon setzen zwei Kriechgänge an, die jedoch jeweils nach wenigen Metern enden.

Schräges Zeug (105 m)
Das Schräge Zeug kann zusammen mit den untereinander in Verbindung stehenden Höhlenteilen Schlapfenschacht, Zicke-Zacke-Canyon, Akrobatikschacht und Akrobatikcanyon als Mittelbau der Bärenlucke angesehen werden. Dieser labyrinthartige Bereich befindet sich nördlich der eingangsnahen Teile des Hauptganges und überlagert in der Folge den Großen Dom bzw. bricht mit einigen Schächten in diesen ab. Das Schräge Zeug, bedeutendster Teil des Mittelbaues, setzt mit zwei Zustiegen beim Hauptgang an. Einerseits ist dies eine sehr steil ansteigende, elliptisch profilierte Röhre beim Abbruch in die Sinterrutsche, andererseits ein schmaler Gang an der nördlichen Raumbegrenzung des Hauptganges, direkt gegenüber vom Ansatz des Südcanyons. Der L-förmig profilierte, etwa mannshohe Gang mit Blockboden ist im Bodenbereich bis 1,5 m breit, ansonsten weist er 0,5 m bis 0,75 m Breite auf. Nach 5 m mündet die Strecke in eine 6 m lange und 3 m breite Raumerweiterung, deren Felsboden von der linken (westlichen) Seite sehr steil zu zwei kleinen Schachtöffnungen im Mittelteil des Raumes abfällt. Entlang der rechten (östlichen) Raumbegrenzung ist es möglich, diese über grobes Blockwerk zu traversieren. Hier beginnt sich das Schräge Zeug labyrinthisch zu verzweigen. Weiter entlang der rechten (östlichen) Raumbegrenzung bricht eine sehr schmale Strecke nach 2 m, allerdings unbefahrbar eng, in den Akrobatikschacht ab. Klettert man in dem schmalen Gang nach oben, erreicht man in 5 m Höhe einen Deckencanyon, der als eigenständiger Canyon nach Norden weiterzieht, im Mittelteil noch einen engen, 6 m tiefen Abbruch zur unteren Etage des Schrägen Zeugs aufweist, und nach insgesamt 6 m im Deckenbereich einer Tropfsteinkammer ausmündet. Die Kammer ist 3 m lang, bis 2 m breit und beinhaltet neben etlichen großen, übersinterten Blöcken auch zahlreiche kleine, orange bis tiefrot gefärbte Tropfsteinformen. In der Nordwest-Ecke der Kammer ist mit einem 1,5 m tiefen Abbruch ein 4 m langer, 3 m hoher und gut 1 m breiter Gang erreichbar, dessen Boden zur Gänze mit einer etwa 20 cm tiefen Wasseransammlung bedeckt ist. Anschließend daran führt die Strecke über versintertes Geröll steil aufwärts und endet immer niedriger werdend nach 9 m (+3 m bezogen auf Eingang a). Ein rechterhand abzweigender Kriechgang stellt einen kleinen Rundgang dar, der nach 7 m wieder in den Deckenbereich der Tropfsteinkammer abbricht.
Klettert man in der oben beschriebenen Raumerweiterung die nördliche der beiden kleinen Schachtöffnungen, die sich bald mit der südlichen vereinigt, 7 m tief ab (Seilhilfe bzw. Sicherung empfehlenswert), gelangt man in einen 3 m langen, 1,5 m breiten Canyonraum mit Sedimentboden, der weiter in den südlichen Parallelschacht des Akrobatikschachtes abbricht. In westliche Richtung zieht von hier eine niedere unter 40° geneigte Schrägstrecke 7 m weit aufwärts, um dann unvermittelt nach einem schmalen Kamm wieder abwärts zu führen. Eine weiter aufwärts leitende, schlotartige Strecke bildet eine Überlagerung und endet nach 5 m in einem kleinen Kolk. Die unter 50° abwärtsführende, bis 3 m breite und zuletzt 2 m hohe, schön elliptisch profilierte Röhre bricht nach 8 m in die Sinterrutsche ab und stellt den zweiten Zustieg ins Schräge Zeug dar.
Zurück zur Raumerweiterung mit den Verzweigungen. Hier kann man nördlich der kleinen Schachtöffnungen die schräge Felsplatte zur linken (westlichen) Raumbegrenzung emporkriechen, wobei zwischen den Fortsetzungen an der rechten und der linken Raumbegrenzung noch ein kleiner Abschnitt angeschlossen ist, der trichterförmig in den Akrobatikschacht übergeht. An der westlichen Wand oberhalb der schrägen Felsplatte öffnet sich einerseits unerwartet der nächste kleine Abstieg, andererseits ist es möglich die weiterziehende schräge Felsplatte wieder hinabzurutschen und in einen hohen Canyon zu gelangen. Der kleine Abstieg mündet mit einer 4 m langen Schrägstrecke in den nördlichen Ast des Akrobatikschachtes, in welchen auch der Canyon unvermittelt mit einem kleinen Einschlupf abbricht. Der Canyon weist hier weiters die bereits beschriebene vertikale Verbindung zum Firstcanyon auf, der in die Tropfsteinkammer leitet. Geradeaus in nördliche Richtung wird der Canyon niedriger und über einen Sinterwall ist eine kleine kolkartige Erweiterung zugänglich, die mehrere unschliefbare Öffnungen in die Tropfsteinkammer aufweist.

Akrobatikschacht – Akrobatikcanyon (57 m)
Der Akrobatikschacht besteht aus zwei parallelen, nur durch eine dünne Felskulisse getrennten Schächten, die mit mehreren, bereits beschriebenen Einstiegen im Schrägen Zeug ansetzen und im Deckenbereich des Großen Domes ausmünden sowie den Zugang zum Akrobatikcanyon vermitteln. Der südliche, geräumigere Ast mißt etwa 2 m mal 1,5 m im Querschnitt und steht im oberen Bereich durch ein Fenster mit dem nördlichen, schmalen kluftartigen Schacht in Verbindung. In etwa 9 m Tiefe mündet im südlichen Schacht an der südlichen Raumbegrenzung der Zicke-Zacke-Canyon ein, und nach weiteren 3 m Metern wird die Decke des Großen Domes, ca. 7 m über dem Boden erreicht. Im nördlichen, 1,5 m mal 0,75 m messenden, schrägen Kluftschacht mündet in 2 m Tiefe der oben beschriebene Abstieg vom Schrägen Zeug ein, und in einer Tiefe von knapp 10 m wird ein kleiner, versinterter Zwischenboden erreicht. Dieser leitet südlich mit einer kleinen Öffnung in den zweiten Ast des Akrobatikschachtes, nördlich führt er als kleinräumige und steile, rundum versinterte Kriechstrecke in den Deckenbereich des Großen Domes und ermöglicht im Firstbereich ausgesetzt traversierend (Seilhilfe bzw. Sicherung notwendig) den Abstieg in den Beginn des Akrobatikcanyons. Der Akrobatikcanyon setzt auf einem geräumigen, 5 m über dem Boden des Großen Domes befindlichen Absatz an. Über einige kleine, blockbedeckte Stufen aufsteigend gelangt man nach einer kurzen Engstelle in einen 3 m langen, 1,5 m breiten Raum mit Wand- und Bodensinterbildungen, wo im Deckenbereich der Firstcanyon des Akrobatikschachtes einmündet. Oberhalb einer 3 m hohen Kletterstelle setzt sich der Canyon bis zu einer Rechtsbiegung als Kriechgang weiter fort und führt in der Folge als bis zu 5 m hoher, schmaler Gang mit schlüssellochähnlichen Profil 6 m zur nächsten, 3 m hohen Kletterstelle aufwärts, wobei im Mittelteil einige lehmige Klemmblöcke überstiegen werden müssen. Über die leicht kletterbare 3 m-Stufe gelangt man zu einem, an der Abbruchkante liegenden, fast den gesamten Canyon ausfüllenden Block, hinter dem der nun sehr schön versinterte, bis 2 m hohe Canyon immer steiler ansteigend in einer schlotartigen, durch Klemmblöcke verlegten Spalte nach 11 m endet. In einer Nische im Bodenbereich befinden sich einige Excentriques.

Sisyphuscanyon (24 m)
Der Sisyphuscanyon setzt im bis hier Ost-West verlaufenden Hauptgang, 40 m vom Eingang entfernt an. Vom 1 m hohen Einschlupf klettert man über labile Blöcke 2 m tief in den weiter westwärts ziehenden Gang hinab. Die bis 3 m hohe und 2 m breite Strecke führt über Blockwerk 10 m weit abwärts und besitzt einen rechterhand (nördlich) angegliederten schlotartigen Absatz mit schönen Sinterbildungen. Am tiefsten Punkt setzt an der linken (südlichen) Raumbegrenzung ein ursprünglich zur Gänze mit Lehm verfüllter Kriechgang an. Bei zahllosen Grabungstouren (siehe obige Fahrtenchronik) wurden in dem gewundenen Gang bis jetzt etwa 10 m an Ganglänge freigelegt. Zuletzt wurde ein kleiner Hohlraum angefahren, ein baldiger Durchbruch durch diesen "Lehmsiphon" scheint aber nicht in Sicht zu sein. Eine weitere, in der Folge ebenfalls verlehmte Strecke setzt im Deckenbereich an. Ursprünglich in 3 m Höhe und nur in schwieriger Kletterei erreichbar, gelangt man nun über die aufgeschütteten Lehmmassen unschwierig zu dieser Fortsetzung. Die sehr enge, nur schliefend befahrbare Spalte knickt nach einem Meter nach rechts um und mündet nach einem weiteren Meter mit einem Linksknick in eine bescheidene Erweiterung mit Lehmboden (Tierexkremente). Aus einer ca. 10 cm breiten und 40 cm hohen Spalte auf halbem Weg ist eine starke Wetterführung spürbar. Möglicherweise kann durch weiteres Abgraben des Lehmes eine Strecke zur Umgehung dieser unschliefbaren Passage freigelegt werden. Schon bald nach Beginn der Grabungen, die an die aussichtslose Tätigkeit des Sisyphus aus der griechischen Mythologie - die jener in der Unterwelt Hades verrichten muß - erinnern, wurde der Name des Höhlenteils geprägt.

Überlagerung der Sinterrutsche (24 m)
Im Mittelteil der Sinterrutsche, wo diese nach rechts knickt, befindet sich in knapp 10 m Höhe ein riesiger Klemmblock, der die Basis dieses Höhlenteils darstellt. Der 6 m lange und 2 m breite Klemmblock, auf dem Schutt und Blockwerk lagern, kann in schwieriger Quergangskletterei vom Beginn der Sinterrutsche an der rechten (östlichen) Raumbegrenzung erreicht werden. Rechts (östlich) oberhalb des Blockes befindet sich eine anfangs 2 m breite, ansteigende Schrägstrecke, die nach 5 m in einen sehr engen, 40° steilen, schliefend einige Meter befahrbaren Canyon übergeht. Die schließlich unbefahrbar werdende Strecke dürfte laut Vermessung nach wenigen Metern im blockbedeckten Bodenbereich der Tropfsteinkammer im Schrägen Zeug ausmünden. Nördlich des Klemmblockes ist noch eine mannshohe Kammer mit Lehmboden angeschlossen, die mit einem kolkähnlichen, 2 m langen Schluf endet.

Quellsiphon (23 m)
Der Zugang zum Quellsiphon setzt an der südlichen Raumbegrenzung des Großen Domes mit einem 5 m hohen und 1 m breiten Gang an, dessen Decke rasch abfällt und nach etwa 5 m in den Siphon eintaucht. Bei zwei erfolgreichen Pumpversuchen im September und Oktober 2004 (siehe obige Fahrtenchronik) konnte der Siphon komplett abgepumpt werden, wobei das Wasservolumen des Siphons auf ca. 30.000 Liter geschätzt wurde. Ein Problem stellt bei leerem Siphon allerdings das rückfließende Tropfwasser aus dem Großen Dom dar, das unangenehme Gatsch-Lawinen auslöst. Der bei überlaufendem Siphon unter Wasser stehende Bereich beginnt als abwärtsführender Kriechgang mit Lehmboden, der nach 3 m in einen niedrigen Schluf übergeht, der seinerseits nach weiteren 3 m in eine wieder etwas geräumigere, horizontale Strecke mündet. Diese leitet nach 10 m zum tiefsten Punkt des Siphons (-43,5 m bezogen auf Eingang a) in knapp 5 m Wassertiefe. Der mit einer weiteren Engstelle beginnende, ansteigende Ast wurde von A. Klampfer etwa 20 m weit (noch nicht vermessen) bis zum nächsten kleinräumigen Siphon erkundet.
Der Quellsiphon stellt neben dem Sisyphuscanyon eine erfolgversprechende, aber dafür technisch anspruchsvolle Aussicht auf Neuland in der Bärenlucke dar.

Wassercanyon (102 m)
Einen bedeutenden Höhlenteil stellt der beim Bergmilchgletscher ansetzende Wassercanyon dar, der die aktiven Teile der Bärenlucke in Richtung Mariannenhöhle entwässert. An der südlichen Raumbegrenzung des Bergmilchgletschers führen zwei kurze, lehmige Schlüfe in eine kleine Erweiterung, von der eine niedere, nur schliefend befahrbare Schrägstrecke mit Felsboden steil 5 m abwärts führt und in eine Kammer mit einer 4 m langen, bis 1,5 m breiten Wasseransammlung mündet. An der westlichen Raumbegrenzung der Schrägstrecke befinden sich in einer Nische schöne Tropfsteinbildungen. Bei der Wasseransammlung beginnt nun der eigentliche Wassercanyon, dessen Gerinne aus einer unschliefbaren Spalte an der östlichen Seite eintritt, kurz nachdem es zuvor im Kolkraum des Hauptganges in diese Spalte verschwunden ist. Der Wassercanyon zieht als 3 m hoher und 1,5 m breiter Gang in Richtung NNW und mündet nach 10 m in eine Raumerweiterung, wo an der rechten (östlichen Seite) im Deckenbereich ein kurzer Schluf ansetzt (Höhlenheuschrecken). Auf der teilweise wasserbedeckten Felssohle lagern einige Blöcke. In der Folge tieft sich das Gerinne entlang der linken Raumbegrenzung ein und fließt über eine niedere Stufe nach 8 m in einen kleinen Siphonsee. Der anfangs zur rechten Raumbegrenzung steil ansteigende, bis 4 m breite Gang verjüngt sich vor dem Siphon und ist im Firstbereich, 2 m über dem Wasserspiegel nur kriechend befahrbar. Das Gerinne verschwindet hier westwärts in dem knapp 1 m breiten Siphon, die Fortsetzung beginnt jedoch im Deckenbereich als nordwärts ziehende, bis 3 m breite, schrägprofilierte Strecke mit Lehmboden. Der am Anfang unangenehm zu befahrende Gang verengt sich nach 6 m zu einem abwärtsführenden, in Richtung NW biegenden Kriechgang. Die Dimensionen beginnen sich aber rasch wieder zu erweitern, der Lehmboden weicht einer blanken Felssohle und nach 7 m befindet man sich in einem gut 3 m breiten und ebenso hohen Canyonraum. An der linken (südlichen) Raumbegrenzung lagern zahlreiche Blöcke, zwischen denen auch das Gerinne wieder eintritt. Einige kleine Stalaktiten und Stalagmiten schmücken diesen Abschnitt. Ab hier tieft sich das mäandrierende Gerinne stark ein und die Canyonsohle beginnt über kleine Stufen steil abzufallen. Nach etwa 8 m ist eine weitere Befahrung im bis dahin 2 m breiten Firstbereich nicht mehr möglich und man muß mäßig schwierig 5 m tief bis zum Grund abklettern. Nach einer niederen Stufe folgt ein ebener Gang mit einer 3 m langen Wasseransammlung und nur 1 m Raumhöhe im Mittelteil. Hinter der Wasseransammlung befindet sich in einem Winkel an der linken (westlichen) Raumbegrenzung eine schöne Wandsinterformation. Der anschließende Canyon bricht hier über wasserüberflossene Stufen 5 m tief in den Schlußteil ab. Dieser leitet westwärts nach 6 m in die bis 3 m breite, 4 m lange und 2 m hohe Endkammer, deren lehmiger Boden vollständig mit einem ca. 0,5 m tiefen See bedeckt ist. Weiter in westliche Richtung geht die Kammer in den knapp 1 m breiten sogenannten Mariannensiphon über (-55 m bezogen auf Eingang a, tiefster Punkt der Bärenlucke). Laut Vermessung befindet man sich hier nur mehr ca. 15 Schrägmeter vom tagfernsten Punkt der Mariannenhöhle, ebenfalls einem Siphon, entfernt. Ein Zusammenhang der beiden Höhlen ist hier sehr wahrscheinlich.

Beobachtungen:

Wetterführung
Wetterführung ist in der Bärenlucke im Eingangsbereich sowie im Sisyphuscanyon spürbar, wo sie einer unschliefbaren Spalte entströmt. Bei hohen Außentemperaturen entwickelt sich eine starke auswärtsgerichtete Wetterführung, bei tieferen Temperaturen kommt diese zum Erliegen. Nur im Falle großer Kälte dürfte sich die Wetterführung in einen leichten, einwärtsgerichteten Luftzug umkehren.
Wasserführung
In der Bärenlucke konnten zwei episodisch aktive Gerinne beobachtet werden, die sich im Großen Dom vereinigen und durch den Wassercanyon abfließen. Das erste Gerinne entspringt einer winzigen Öffnung an der linken (westlichen) Seite knapp vor dem Abbruch in die Sinterrutsche und weist eine maximale Schüttung von etwa 0,2 Liter pro Sekunde auf. Das hauptsächliche Gerinne mit einer Schüttung von bis zu einigen Sekundenlitern entströmt dem Quellsiphon, der jedoch bei Trockenheit gänzlich versiegen kann. Im Sommer 2003 ist der Wasserspiegel um ca. 1 m gesunken. In diesem Fall fließt Tropfwasser vom Großen Dom zurück in den Quellsiphon. Die Bärenlucke liegt, wie auch die Mariannenhöhle, im Bereich des nachgewiesenen Karstwasserweges vom Schlagerbodenpolje zur Höllquelle.
Tierwelt
Es konnten verschiedentlich Kl. Hufeisennasen und Höhlenheuschrecken sowie im Quellsiphon ein pigmentloser Grundwasserkrebs (?) beobachtet werden.

Danksagung:
An erster Stelle wollen wir den Familien Herta u. Johann Deuretzbacher sowie Claudia u. Friedrich Scopez, den Bewohnern und Besitzern des Anwesens Grub danken, die unsere Forschungen stets tatkräftig unterstützt und mit großem Interesse verfolgt haben. Auch bedanken wir uns bei ihnen für so manch geselligen Abend am Grubbauernhof nach anstrengenden Forschungstagen.
Besonderer Dank geht an unsere Höhlenforscherkollegen Thomas Gundacker und Alex Klampfer, die mit unermüdlichem Einsatz und großer Motivation maßgebend am "Projekt Bärenlucke" beteiligt sind.
Folgenden Organisationen möchten wir für technische Unterstützung danken: Freiwillige Feuerwehren Kienberg und Scheibbs, Bergrettung Lackenhof, Fa. Worthington Cylinders GmbH, Fa. Elektrotechnik Christian Schweiger.

Literatur:
- Herrmann, E. (2003): Zwischenbericht Mariannenhöhle. Höhlenkundliche Mitteilungen 9/2003, S. 101. (Wien).
- Hartmann, H. u. W. (1982): Die Höhlen Niederösterreichs, Band 2 – Wissenschaftliches Beiheft zur Zeitschrift "Die Höhle" Nr. 29, S. 62. (Wien).


LinkWeitere Informationen siehe Forschungsvorhaben Bärenlucke.


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