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Kapitel 2: Die Erde als Ganzes

       Alfa konnte Meere und Land mit Ebenen und Gebirgen erkennen, ähnlich wie er es von Bildern seiner Stammheimat kannte. Der fruchtbare Teil des Landes sah aber gänzlich anders aus. In seiner Stammheimat gab es große Flächen, auf denen die gleiche Pflanze angebaut war, damit sie mit Maschinen abgeerntet werden konnten. Hier auf der Erde gab es das nicht. Das fruchtbare Land war durch Hecken in lauter kleine Stücke unterteilt; in jedem Grundstück ein Haus mit einem Swimmingpool. Nirgends konnte er eine Monokultur entdecken. Wie können sich die Menschen ernähren, und wie kam es zu dieser Aufteilung des Landes? Er fragte seine ,,Entwicklungshelfer, doch ihre Erklärungsversuche scheiterten an seinem augenblicklich noch zu geringen Wortschatz in der Erdensprache.
       In unregelmäßigen Abständen waren mehrere Häuser knapp beieinander, meist um einige hervorstechend große geschart. An einigen wenigen Stellen standen sehr viele Häuser beisammen, viele kleinere und einige große stattliche. ,,Diese Hausansammlungen nennen wir Dörfer, wenn es nur wenige Häuser sind, beziehungsweise Städte, wenn es viele Häuser sind. Im Vergleich zu früher sind die heutigen Städte allerdings nur Kleinstädte. Die Riesenstädte von früher haben wir alle kleinweise abgetragen erläuterte Nora. Viele Hügel und Felsvorsprünge waren überzogen mit einer Gebäudeanlage, die mit ihren vielen Türmen einem Kristall glichen. ,,Das sind Burgen oder Schlösser erklärte Mario.
       Das Land war durchzogen von grauen Bändern, die fast durchwegs beidseitig gelb gesäumt waren. Auf diesen Bändern bewegten sich Fahrzeuge. Daraus schloß Alfa, daß es Straßen waren. Aber was war der gelbe Saum? Seine Frage konnte durch einen Videofilm beantwortet werden, der die Herstellung von Schmieröl und Biodiesel zeigte; das gelbe war Raps, der als Ausgangsrohstoff für Schmieröl und Biodiesel diente.
       Über das Land verstreut sah Alfa auch größere mehrstöckige Gebäude. Sie waren alle durch ein graubraunes Band verbunden, das auch die meisten Ortschaften und alle Städte streifte. Seine ,,Entwicklungshelfer erklärten ihm: Diese großen Gebäude sind Fabriken, vollautomatische versteht sich; zu ihrer Ver- und Entsorgung sind sie über Eisenbahn miteinander verbunden.
       Im Gebirge entdeckte er ,,künstliche Seen und Kraftwerke, in den Flußläufen Stauwerke, gleich daneben Gebäude und Gastanks. Offenbar die Energieversorgung. Aus den Bildern von seiner Stammheimat kannte er Atomkraftwerke. Er suchte das Land nach eiförmigen Bauwerken mit Schlot ab, fand aber keine. Mario bestätigte ihm, daß die Erdenmenschen ohne Kernkraft auskämen. ,,Das ist sehr gut, dachte Alfa, ,,dieser Planet wirkt sehr anziehend, zumindest von oben.
       In der Folge verstärkte er seine Bemühungen, die Erdensprache zu erlernen. Nach sechs Wochen war er soweit, daß er einfachst gehaltene Erklärungen halbwegs verstehen konnte. Also versuchten ihm seine ,,Entwicklungshelfer den Lebensstil der Erdenmenschen zu erläutern:
       ,,Der Mensch darf nur über das verfügen, was er selbst geschaffen hat. Land, Luft und Wasser, ebenso Rohstoffe, hat der Mensch nicht selbst geschaffen, daher kann bzw. darf er nicht darüber verfügen; sie gehören allen Menschen aller Generationen.
       Jedem Menschen steht aber soviel Land und Wasser zur Nutzung zu, daß er davon gut leben kann. Das ganze fruchtbare Land ist daher in solche Grundstücke aufgeteilt. Bei seiner Volljährigkeitsfeier mit 21 Jahren kann jeder Mensch aus den gerade freien Grundstücken eines auswählen. Dieses kann er bebauen wie er will, es muß allerdings die Selbstversorgung gewährleistet sein. Jeder kann ,,sein Grundstück mit einem anderen tauschen, verkaufen ist nicht möglich, weil wir das Geld abgeschafft haben, es wäre auch in unserem System sinnlos.
       Industriegegenstände, wie Herd, Kühlschrank, bis zum Auto, werden in vollautomatischen Fabriken recycelt oder hergestellt und jedem Menschen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die dazu notwendige Arbeit wird von jedem Menschen zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr in 3 Wanderjahren, der ,,dreijährigen Maturareise, anteilsmäßig geleistet. Damit erwirbt sich der Mensch das Anrecht auf alle benötigten Industrieartikel.
       Die Energieversorgung übernehmen Wasserkraftwerke, Solarzellen, Wasserstoff und Sauerstoff, die bei Energieüberschuß aus Wasser durch Elektrolyse gewonnen werden.
       Das Lebensziel eines jeden Menschen ist es, die Schönheiten der Welt und Freuden des Lebens zu genießen, also Liebe und Sex, gutes Essen, die Gesellschaft angenehmer Menschen, Sport, Musik, Reisen ...und dabei seine Begabung zu finden, durch die er die Welt selbst wieder mit etwas Schönem, Gutem oder neuen Erkenntnissen bereichern kann, also einen schönen Garten, ein schönes Haus, ein schönes Möbelstück, Musik, Schauspiel, gutes Essen....
       Unsere sittliche Richtschnur ist: Benimm Dich selbst so, wie Du es auch von den anderen möchtest. Tritt jedem Lebewesen mit derselben Achtung entgegen, wie Du sie für Dich selbst forderst. Was Du nicht willst, das mensch Dir tut, das füge auch keinem andern zu. Es ist somit alles erlaubt, was nicht einen anderen oder die Gemeinschaft schädigt.
       Mann und Frau sind vollkommen gleichberechtigt. Wir nehmen aber Rücksicht auf die geschlechtseigenen Besonderheiten: Grobe, kraftaufwendige Arbeiten verrichten die Männer; Tätigkeiten, die zarte, geschickte oder flinke Hände erfordern, besorgen die Frauen.
       Grundsätzlich könnte jeder Mann bzw. jede Frau auf ,,seinem bzw. ,,ihrem Grundstück in ,,seinem bzw. ,,ihrem Haus allein leben. Üblicherweise leben aber Männer und Frauen so zusammen, wie es ihnen am angenehmsten ist. Eine Vorschrift dafür gibt es nicht.
       Die Kinder bleiben die ersten drei, vier Jahre bei den Eltern bzw. bei der Mutter, dann gehen sie normalerweise in das ,,Jugendhaus des Ortes.
       Die kleinste politische Einheit ist die ,,Ortschaft. Sie umfaßt so viele Menschen, daß für jede Aufgabe innerhalb der Ortschaft genug Begabungen, planende und ausführende, vorhanden sind. Ortschaften mit unmittelbar gemeinsamen Lebensinteressen, z. B. die Ortschaften eines Tales, sind zu einer ,,Flußschaft zusammengeschlossen. Die Flußschaften aller Nebenflüsse eines Stromes sind zu einer ,,Stromschaft zusammengefaßt. Die Stromschaft ist die größte politische Einheit. Sie umfaßt das ganze Einzugsgebiet eines Stromes; in ihr kann somit alles so geplant und durchgeführt werden, daß der Strom auch an seiner Mündung ins Meer sauber ist.
       Alle Stromschaften entsenden Vertreter in eine ,,Weltorganisation, die für jene Aufgaben zuständig ist, die die Welt als Ganzes betreffen.
       In allen politischen Fragen entscheiden die Bürger direkt durch Abstimmen, unser Telekommunikationssystem macht das möglich.
       Alfa hatte seinen ,,Entwicklungshelfern aufmerksam zugehört, dachte kurz nach und sagte dann: ,,Das klingt gut, doch wie sollen wir von Centauri uns einfügen? Nora antwortete ihm: ,,Das ist inzwischen geklärt. Unsere Berichte haben die Menschen überzeugt, daß ihr keine Seuche einschleppen werdet, sondern daß ihr eine willkommene Bereicherung des irdischen Genmaterials darstellt. In einer weltumspannenden Abstimmung vor zwei Tagen waren daher 96 % der Erdbewohner dafür, daß ihr euch auf der Erde ansiedeln dürft.
       ,,Es wäre mir recht, wenn ich mich allein auf der Erde umschauen könnte, um zu erfahren, wie einem Centauri das Leben auf der Erde wirklich bekommt meinte Alfa.
       ,,Gut! Kommen Sie vorerst zu mir und schauen Sie sich da um! schlug Nora vor. ,,Gerne! nahm Alfa die Einladung an.


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