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Kapitel 21: Die ,,Große Umgestaltung''

       ,,Vor der ,Großen Umgestaltung war die Erde entsprechend der Wirtschaftskraft der einzelnen Gebiete aufgeteilt in drei Bereiche, nämlich die ,erste, die ,zweite und die ,dritte Welt. Die ,erste Welt war hochindustrialisiert; die Menschen wirtschafteten in einem ,freien Markt, Kapital und Produktionsmittel gehörten Privatleuten; die Eigeninitiative des einzelnen war kaum beschränkt; die meisten Menschen lebten in materiellem Wohlstand; für Vollbeschäftigung benötigte das System ein bestimmtes Wirtschaftswachstum. Die ,zweite Welt war industrialisiert; die Menschen arbeiteten in einer ,Planwirtschaft, Kapital und Produktionsmittel gehörten dem Staat, Bürokraten und Technokraten gaben den Plan vor; Planungsfehler und Schlendrian brachten oft Engpässe in der Versorgung. Die ,dritte Welt litt an den Folgen des Kolonialismus und der Ausbeutung durch die ,erste Welt. Wenige sehr Reiche standen einer großen Anzahl von Armen gegenüber.
      Insgesamt war die Erde ein unausgewogenes, spannungsreiches System. Eine Gruppe weitblickender Wissenschaftler warnte vor einem Zusammenbruch. Zuerst tat man dies als Panikmache ab. Doch dann spitzte sich die Lage plötzlich zu: In der ,ersten Welt sättigte sich der Markt, das Wirtschaftswachstum ging zurück, es wurden immer mehr Menschen arbeitslos; in der ,zweiten Welt kippte ein großer Teil politisch um und wirbelte in ein wirtschaftliches Chaos, in dem sich viele Menschen keine Zukunft mehr sahen; die ,dritte Welt wurde von der ,ersten Welt ausgesogen und die Menschen verelendeten immer mehr. Daher drängten Menschen aus der ,zweiten und ,dritten Welt in die ,erste Welt.
      Viele Menschen der ,ersten Welt reagierten darauf hysterisch, weil sie die Konkurrenz der ,Fremden um Arbeitsplätze fürchteten oder weil sie diesen die Unterstützung aus öffentlichen Geldern neideten. Die Welt wurde zusehends verrückter. Industrie und Landwirtschaft....
       ,,Entschuldigung, daß ich Sie unterbreche fiel Alfa ein ,,aber ich glaube: die Probleme, die Sie mit Industrie und Landwirtschaft hatten, kenne ich. Mich würde vielmehr die Lösung interessieren.
      Wang dachte kurz nach, dann nahm er den Faden wieder auf:
       ,,Um giftfreie, höchstwertige Lebensmittel zu bekommen, muß mensch Mischkulturen pflanzen; diese können aber nur händisch bearbeitet werden. Um unabhängig zu sein, muß jeder Mensch sich seine Lebensmittel, Kleidung und Behausung selbst schaffen können; also muß er ein Grundstück besitzen. Damit das Leben aber wirklich angenehm wird, braucht mensch aber auch ein gewisses Mindestmaß an technischen Geräten, Einrichtungen und Hilfsmitteln. So fanden wir fast zwangsläufig unseren heutigen Lebensstil.
      Die Schwierigkeit war nur der Übergang.
      Zuerst stellte eine bereits vorhandene, weltumspannende Organisation eine Gruppe von Fachleuten zusammen. Diese listeten alle jene Industrieerzeugnisse auf, die dem Menschen wirkliche (!) Lebensqualität bringen und in großer Stückzahl hergestellt werden müssen, angefangen vom Ziegel über E-Herd und Auto bis zum Baukran.
      Dann wurden zusammen mit Hochschulinstituten und Planungszentren in der Industrie vollautomatische Fabriken für diese Erzeugnisse geplant, wobei das Recycling gebrauchter Produkte gleich miteinbezogen wurde. Anschließend wurde die Herstellung der Produktionsmaschinen und Produktionsroboter einschließlich ihrer Instandhaltung und Erneuerung geplant. So wurde die ganze Industrie zusammengestellt, die schlußendlich die aufgelisteten Gebrauchsgüter liefert. Dabei wurden folgende Forderungen erfüllt: nur geschlossene Kreisläufe für Hilfsstoffe; bestmögliche Nutzung der Energie; nur Einsatz von ungiftigen Stoffen; keine schädlichen oder lästigen Abgase, Abwässer oder Abfälle; möglichst breite Verwendung von wiedererneuerbaren Rohstoffen; kein Verlust von nichterneuerbaren Rohstoffen; größtmögliche Zuverlässigkeit und Lebensdauer, sowie einfache Wartung und Instandhaltung, zusätzlich bestmögliche Anpassungsfähigkeit der Produktionsmaschinen; schöne gediegene Industrieprodukte, schadstoffrei, von vernünftiger Lebensdauer, einfach zu warten und instandzuhalten; vollständige und verlustfreie Wiederverwertung aller Industrieprodukte. So entstanden Maschinen und Roboter im Baukastensystem und sehr anpassungsfähige Fertigungssysteme.
      Gleichzeitig entwarfen Leute für alle geeigneten Besiedelungsgebiete der Erde das bestmögliche Haus für unseren Lebensstil: gerade noch gut für sechs Personen - Vater, Mutter, zwei Kinder und ein Großelternpaar -, bestens für drei Personen; wohnlich, behaglich; aus den besten ,natürlichen Materialien der weiteren Umgebung, gediegen hergestellt; architektonisch ansprechend; mit Eigendeckung an Energie aus der Sonnenenergie, mit Speicherung, im Verbund mit Blockkraftwerken und Netz; leicht sauber zu halten; ohne Schwierigkeiten instand zu halten; beim Abbruch wieder in gut wiederverwendbare Teile zerlegbar.
      Schlußendlich überschlugen Leute den Rohstoffbedarf für die ganze Menschheit und die Lebenszeit der Erde, und verglich mit den vorhandenen Vorräten. Dann . . .. ,,Entschuldigung unterbrach Alfa ,,klappte das auf Anhieb?. ,,Nein antwortete Wang ,,Aus meinen Unterlagen geht hervor, daß statt dem geplanten rostfreien Stahl vielmehr kohlefaserverstärkte Kunststoffe eingesetzt werden mußten. Das ergab aber eigentlich vernünftigere Konstruktionen, zum Beispiel wurde dadurch bei den Autos das Verhältnis von Nutzlast zu Totlast wesentlich verbessert. Aber das Abgleichen von Bedarf und Vorräten war damals gar nicht das größte Problem. Die wesentlichen Richtlinien in die Zukunft zeichneten sich ja schon damals klar ab: Die einzige unerschöpfliche Energiequelle bis zum Ende der Erde ist die Sonnenenergie und das für Solarzellen nötige Silizium ist ausreichend vorhanden; als chemischer Energieträger eignet sich Wasserstoff am besten, weil er mittels überschüssigem, elektrischem Strom durch Zerlegen von Wasser erzeugt werden kann und bei der Verbrennung wieder zu Wasser wird, also einen Kreislauf ermöglicht; insgesamt also eine Solar-Wasserstoff-Technologie. Es galt also ein geeignetes Land für diese Neugestaltung zu finden.
      Als geeignet erwies sich China. Also ging man daran . . . ,,Entschuldigung fiel Alfa ein ,,Können Sie mir bitte die Gründe für diese Wahl nennen?. ,,Gerne antwortete Wang ,,China ist ein großes Land mit einem großen, ziemlich einheitlichen Volk. Es hatte eine mehrere Jahrtausende währende Hochkultur hinter sich, die bestrebt war, im Einklang mit der Welt zu leben. Der Gedanke der Selbstversorgung war im Volke noch lebendig, weil die Hälfte der Bevölkerung noch so lebte. Die Industrie war noch wenig entwickelt und somit aufnahmefähig für neue Wege. Das Gesellschaftssystem war ein kommunistisches, - das heißt Land und Industrie gehörten dem Staat, also nicht Privatleuten -, sodaß Umverteilungen leicht möglich waren. Die Chinesen sind fleißig, beharrlich und zäh, sodaß eine Umgestaltung nicht wegen kleiner Schwierigkeiten stecken bleibt. Wang lächelte und fuhr dann fort:
       ,,Eine weitere Gruppe der bereits erwähnten, weltumspannenden Organisation arbeitete einen Plan zur Umgestaltung Chinas auf das neue Lebensmodell aus, überschlug die Kosten und sicherte die Finanzierung durch Geldmittel der Organisation und der Weltbank.
      Dann wandte sich die Organisation an die Regierung Chinas und unterbreitete die ausgearbeiteten Pläne. Die chinesische Regierung willigte ein. Über Rundfunk und Fernsehen verkündete sie der Bevölkerung das Vorhaben und machte es den Leuten schmackhaft. Die Umgestaltung konnte beginnen.
      Wang zog aus seinen Papieren eine Landkarte hervor und fuhr fort:
       ,,Als Fixpunkte wählte man die alten erhaltungswürdigen Kulturzentren und die Standorte für die bereits bestehenden und noch zu bauenden größeren Wasserkraftwerke und die Lagerstätten der Bodenschätze. Von diesen Fixpunkten ausgehend wurde das ganze Land überplant: mittels Satelliten und Flugzeugen wurde das ganze Land fotografiert und vermessen, Karten angefertigt, das Land mit Rücksicht auf die landschaftlichen Gegebenheiten in Einheiten zu etwa 7000 Menschen unterteilt, für jede Einheit ein Modell der Landschaft aus Lehm gefertigt und darin das Land nach dem neuen System hineingearbeitet, - also lauter gleichwertige Grundstücke zur Selbstversorgung von einem Erwachsenen und zwei Kindern, jedes Grundstück zwischen einer Straße und einem Gehweg -, gleichzeitig die Standorte für die Fabriken ausgetüftelt.
      Dann wurden an den planmäßigen Standorten vollautomatische Fabriken für Wasserstoffautos, Solarzellen, Hydrolysestationen, Bausteine und Ziegel gebaut.
      Gleichzeitig wurden in jeder neugebildeten Ortschaft ein Autofahrer-Club und Bautrupps gebildet.
      In ihrer Freizeit richteten die Bautrupps Grundstücke nach Plan her, bauten darauf modernste Häuser nach Plan und Bauanleitung, bestückt mit Solarzellen, die den Strom für die Hydrolysestationen lieferten. Die Häuser selbst wurden dann unter den Mitgliedern des Bautrupps verlost. Da jedes Mitglied eines Bautrupps grundsätzlich ,Besitzer des Hauses werden konnte, an dem er gerade mitarbeitete, so achtete jeder auf sorgfältige Arbeit.
      Die Autos von den Autofabriken verteilte man gleichmäßig auf die einzelnen Autofahrer-Clubs, die die Autos aus der Clubkasse bezahlten. Die Autofahrer-Clubs übernahmen die Fahrschulung und die Wartung und den Verleih der Autos.
      Der Wasserstoff wurde durch Zerlegen von Wasser mittels des elektrischen Stromes aus den Solarzellen auf den Dächern der neuen Häuser erzeugt. Das spornte vor allem die Jugend zum Hausbau an, damit genug Wasserstoff zum Autofahren zur Verfügung stände.
      Der Fuhrpark der Autofahrer-Clubs wuchs sehr rasch, sodaß man die Autos aus Platz- und Organisationsgründen weggeben mußte; also verloste man die überzähligen Autos an die Mitglieder.
      Durch das Verlosen, also das blinde Walten des Glücks, sah sich jeder eine Chance und das brachte einen wahren Aufbruchstaumel in die Bevölkerung.
      Selbstverständlich wurde auch das Militär miteinbezogen, vor allem für Transportaufgaben und Erdarbeiten. Damit . . .. ,,Entschuldigung unterbrach Alfa ,,Was ist Militär?. Wang dachte kurz nach, dann antwortete er: ,,Vor der ,Umgestaltung war die Erde in Staaten aufgeteilt. Ein Staat war das Gebiet, auf das sich die Macht einer bestimmten Gruppe von Leuten erstreckte. Die Staaten waren fast alle durch das ,Faustrecht, also das ,Recht des Stärkeren, entstanden. Um den Staat gegen die Nachbarn abzusichern, brauchte man eine entsprechend große Anzahl ständig bewaffneter Männer. Die Gesamtheit dieser Männer samt Waffen und Ausrüstung war das Militär. Die Mächtigen redeten der übrigen Bevölkerung ein, daß das Militär unbedingt nötig sei, um den Staat gegen die Nachbarn zu sichern und ganz allgemein den Frieden zu wahren. Vielmehr sicherte das Militär aber die Macht und Interessen der Mächtigen; es wurde denn auch oft genug verwendet, um den Machtbereich auszudehnen oder um die eigenen Mitbürger niederzuhalten, wenn sie sich gegen eine zu schamlose Ausbeutung durch die Mächtigen auflehnten. Das . . .. ,,Entschuldigung unterbrach Alfa ,,ich habe den Bezug zu den Filmen von meiner Stammheimat bereits gefunden. Dort hat das Militär mit seinen starken Waffen tapfer mitgeholfen, unseren Planeten zu zerstören. ,,Wie bei uns auch beinahe fiel Wang wieder ein ,,deshalb haben wir das Militär im Zuge der ,Großen Umgestaltung aufgelöst. Es ist in unserem System ja auch ganz überflüssig, denn erstens hat bei uns jeder Mensch die gleichen materiellen Güter und zweitens gestehen wir grundsätzlich keinem Menschen das Recht zu, über andere Menschen zu verfügen, - unsere Projektleiter sind demokratisch gewählt und wir ordnen uns freiwillig ihren Anweisungen unter, aber auch da bevorzugen wir den demokratischen Führungsstil, weil überzeugte Menschen besser arbeiten.
      Wang hielt kurz inne und fuhr dann wieder fort:
       ,,Das Geld für die ,Große Umgestaltung kam von der Weltorganisation, der Weltbank, vom chinesischen Staat - vor allem durch Einsparungen bei der Rüstung - und von den Autofahrer-Clubs - kleine Beträge von hundert Millionen Menschen ergeben ansehnliche Beträge.
      Das Geld war gut angelegt. Der Aufbau der chinesischen Industrie brachte auch den hochindustrialisierten Ländern Beschäftigung und damit eine wirtschaftliche Belebung, was seinerseits wieder Geldmittel freimachte, die wieder in den Umbau Chinas investiert wurden.
      Wang hielt kurz inne. ,,Ich bin abgeschweift. Lassen Sie mich weitererzählen sagte er und nahm den Faden wieder auf:
       ,,Zuerst wohnten in den neugebauten Häusern sechs bis acht Leute, diese bebauten auch zwei oder drei Grundstücke. Sobald alle Leute einer Gemeinde in neugebauten Häusern lebten, bauten sie an den plangemäßen Plätzen die ,Altenhäuser und die Speicher.
      Durch die Aufbruchsstimmung verbunden mit der vielen Arbeit und die gesicherte Altersversorgung wurden weniger Kinder gezeugt; somit sank langsam die Bevölkerungszahl und es wurde mehr Platz und Lebensraum für den einzelnen.
      Neben dem Aufbau liefen auch Ausbildungsprogramme, zuerst zur Wartung und Instandhaltung der Maschinen, dann dazu solche für die Allgemeinbildung. So wuchsen langsam genug Talente für Architektur heran, sodaß die Ortskerne mit den öffentlichen Bauten, wie Rathaus, Schule, Schauspielhaus undsoweiter, geplant und gebaut werden konnten. Bei der Planung wurde darauf geachtet, daß die Gebäude der Landschaft und dem Klima angepaßt, gefällig im Aussehen, zweckmäßig in der Nutzung und von den Ortsansässigen baubar sind.
So näherten die Menschen sich schrittweise unserem jetzigen System.
      Wang dachte kurz nach, dann schloß er:
       ,,Die ,Umgestaltung war in China so erfolgreich, daß sie sich auf ganz Asien übertrug. Wie sie in den anderen Kontinenten vor sich ging, findet sich in meinen Unterlagen nicht mehr. Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Überblick geben.
       ,,Ja, danke! bedankte sich Alfa. ,,Dann auf Wiedersehen! verabschiedete sich Wang. ,,Auf Wiedersehen! antwortete Alfa. Dann wurde der Bildschirm dunkel. Nachdenklich sah Alfa auf den dunklen Bildschirm:
       ,,Die Menschen auf der Erde besaßen offenbar genug Vernunft, warum wir auf Alfa Zentauri nicht?

       ENDE


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Nachwort

Wir haben es weit gebracht.
Auf manchen Gebieten zu weit.
Wir sind gerade dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

Die Entwicklung bis hierher war vielleicht notwendig.

Von allen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen scheint die kapitalistische Marktwirtschaft zu siegen.
Die kapitalistische Marktwirtschaft benötigt erfahrungsgemäß ein Wachstum von ungefähr 3 Prozent, damit alle Leute Arbeit und damit ihren Lebensunterhalt haben.
Auf einer endlichen Erde kann aber nichts immerfort wachsen (=zunehmen).
Somit ist die kapitalistische Marktwirtschaft kein auf Dauer brauchbares System.
Es muß (!) also ein neues Gesellschafts- und Wirtschaftssystem gefunden werden.

Sieht mensch sich die Geschichte der Menschheit an,
so sind zu viele Menschen immer noch zu obrigkeitsgläubig,
sodaß sie immer wieder zu Kriegen aufgehetzt werden können.
Es muß also auch das bestehende Erziehungssystem in Frage gestellt werden.

Ausblicke in die Zukunft sind nötiger denn je!




Medieninhaber (Herausgeber und Verleger):
    Dipl.-Ing. Heinz Göd,
    Alle Rechte vorbehalten
Erstausgabe 1992:
    Gesamtherstellung: LANDESVERLAG Druckservice Linz
    Gedruckt auf Umweltschutzpapier

Neuauflage 2002:
    BoD Books on Demand GmbH.
erhältlich bei jedem Buchhändler
und im Internet
Heinz Göd
2069 - Im Einklang mit der Natur
          EINE GERECHTERE WELT
ISBN 3-9500151-1-6