Die Käsegeschichte prägt den Bregenzerwald:
·
Die
Kelten waren es auch, die den
Bregenzerwald mit Viehzucht und Alpwirtschaft in Berührung brachten. Von den
Kelten wurden zuerst die Berglagen
genutzt, da die Täler des Bregenzerwaldes
unwegsam und versumpft waren.
· Ab 15 vor Christus nahmen die Römer das Zepter in der Käsegeschichte des Bregenzerwaldes in die Hand. Sie benutzten schon Alpweiden und dürften bereits auch professionell Alpkäsereien - heute sogenannte Sennalpen - geführt haben, wie romanische Ausdrücke in der Sennereiwirtschaft zeigen: "Käse, Senn, Gebse"
· Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches um 476 nach Christus besiedelten die Alemannen im 5. Jhdt. den Bregenzerwald. Sie übernahmen die Kenntnisse der Milch- und Alpwirtschaft von den Romanen, rodeten viel Wald für neue Weideflächen und brachten eine für die heutige Besitzstruktur der Alpe wichtige Grundlage mit: die "Marktgenossenschaften" als Vorläufer der späteren "Alpgenossenschaften" sowie die "Allmende", die gemeinschaftlich geführte Weide.
· Im 9. Jahrhundert wurden in der Region und in der Umgebung bei kirchlichen Festen regelmäßig Märkte abgehalten, bei denen man mit Käse und Schmalz handelte. Die Klöster mischten in der Käseerzeugung mit.
· Ende des 10. und im 11. Jahrhundert begann auch die Besiedelung der Talbereiche, welche durch die Rodung großer Flächen möglich geworden war.
· Anfang des 14. Jahrhunderts besiedelten die Walser Damüls, Schröcken und Warth. Sie betrieben eine ähnliche Alpwirtschaft wie die Alemannen. Individuelle Alphütten entstanden, Milch wurde separat versennt. Weitere Alpflächen entwickelten sich, und große Alpkomplexe wurden in kleinere Areale aufgeteilt, um die Intensivierung zu der Nutzung zu erreichen.
· Ab ca. 1594 wurde regelmäßig der Schwarzenberger Markt einmal jährlich eingeführt, bei dem Vieh gehandelt wurde, aber auch Käse seine Besitzer wechselte.
· Bis in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde im Bregenzerwald nur Sauerkäserei (die Milch wurde ganz entrahmt) betrieben, bei der man auch viel Butter erzeugen konnte. Diese Buttererzeugung war auch notwendig, da man Steuern der Obrigkeit in Form von Butter abführen mußte..
· Nach dem 30 jährigen Krieg kamen aus dem Appenzell Sennen in den Bregenzerwald, die den Einheimischen die Kunst des Fettsennens (die Milch wir dabei nicht oder nur teilweise entrahmt) vermittelten und zum Teil auch hier Alpen pachteten und selbst Sennereien errichteten.
· Verbote gegen die Fettsennerei bewirkten Aufstände der Bregenzerwälder Anfang des 18. Jahrhunderts. Die "Wälder" setzten sich durch und die Wälder Hartkäserei begann ihren Aufschwung. Nach und nach wurde im Bregenzerwald der Sauerkäse rückläufig. Er diente meist nur zum Eigenverzehr und zum Verkauf innerhalb der Region.
· 1785 wurden die ersten Straßen in den Bregenzerwald gebaut, da sich eine starke Handelstätigkeit entwickelte. 1786 erschienen die ersten mit Eisen beschlagenen Wagen.
· Festliches Brauchtum rund um das Alpfahren entstand.
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Ab
1816 taucht in der Geschichte des Bregenzerwaldes Schwarzenberg als
Haupthandelsplatz für Käse auf, Bizau als Stapelplatz für Alpkäse.
Über 300 000 Zentner wurden jährlich in der Donaumonarchie abgesetzt wie auch
im übrigen Ausland, u.a. nach Italien und sogar bis Griechenland. Es handelte
sich dabei um die viereckigen Backsteinkäse und Nachahmungen von Schweizer
Emmentalerkäsen.
· Die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Zeit der sogenannten "Käsegrafen". Das waren Export- und Import-Monopolisten, welche die Milch aufkauften und verkästen.
· Armut der bäuerlichen Bevölkerung bewegte Sozialreformer Franz Michael Felder aus Schoppernau (1839 - 1869) einen Käsehandlungsverein und eine Viehversicherungsgesellschaft zu gründen.
· Mitte des 19. Jahrhundert ging der Emmentalerumsatz zurück, der Bergkäse, länger haltbar, und anderen Käsesorten wurde der Vorzug gegeben. Weit mehr als hundert Sennereien standen im Wettstreit zueinander.
· Einrichtung von genossenschaftlichen Talsennereien stoppt den Boom der Alpwirtschaft. 1830 Errichtung der ersten Gemeinschaftssennerei in Au.
· Ab 1900 Ausbildung des Sennereipersonals in Kursen und Lehrstätten der k&k Käsereischule in Doren zieht eine Qualitätsverbesserung nach sich.
· Josef Rupp I. produziert 1908 als erster in Österreich Emmentaler nach original Schweizer Art. Nach dem ersten Weltkrieg Aufbau der Käsevermarktung Rupp Käse in Lochau. Bis heute Verarbeiter (Schmelzkäse) und Vermarkter von Bregenzerwälder Käse verschieden Alpen und Sennereien.
· 1921 wurde in Bregenz, Vorarlberg. die ALMA als Genossenschaft gegründet, welche zum größten Teil in Besitz von Bregenzerwälder Talsennereien ist. Ziel ist Abbau eines gewaltigen Käsebergs. ALMA tritt als Handelspartner der Wälder Tal- und Alpsennereien auf und reift die Käse in den Lagern aus. Ab 1925 produziert Alma Schmelzkäse.
· In den 1970er und 80er Jahren Marktordnung regelt Absatz und Preis von Käse in Österreich und fördert den Export. Stabilisierung der Preise. ALMA und RUPP etablieren sich als zuverlässige Absatz- und Logistikpartner der Alp- und Talsennereien.
· Starke Schwankungen auf den Märkten bewegen in den 90er Jahren des 20 Jahrhunderts die Sennereien zur Lancierung Innovationen. Aufbau einer Qualitätssicherung mit ISO - Normen, um im internationalen harten Wettbewerb gerüstet zu sein. Die Qualität der Bregenzerwälder Sennereien wird bei zahlreichen Prämierungen durch den Gewinn zahlreichen Gold und Silbermedaillen unter Beweis gestellt.
· Als internationale Innovation eines Bregenzerwälder Landwirtes wird 1993 die Verarbeitung von Frischmolke zu Körperpflegeerzeugnissen mit dem Österreichischen Agrarmarketingpreis ausgezeichnet. Die Molke entsteht bei der Erzeugung von Frischkäse.
· 1993 Erste Schwarzenberger Berg- und Alpkäseprämierung. Bis zu 90 Alp- und Talsennereien lassen zur Orientierung der Qualität im Wettbewerb von einer Fachjury jährlich jeweils am 16. September (Schwarzenberger Markt) bewerten.
· 1994 EU-Beitritt Österreichs steht vor der Tür. Verschiedene Organisationen (Junges Gastgewerbe Vorarlberg, Bregenzerwald Tourismus, Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald, Vorarlberger Naturprodukteverein) erkennen, daß EU-Beitritt vor allem den bäuerlichen Familien starke Umsatzverluste ins Haus stehen und planen Aufbau einer KäseStrasse als Verkaufsförderung für heimischen Käse. Ein Käsegipfel wird einberufen um mit verschiedenen Berufsgruppen Strategien zu entwickeln.
· Ab 1995 Aufhebung der Marktordnung und EU-Beitritt lassen Preise für Käse bis zu 40% fallen. Degressive Ausgleichszahlungen reichen nicht, Verluste für bäuerlichen Familien aufzuhalten. Verminderte Wertschöpfung drängt Käse produzierende Betriebe in Direktvermarktung. Aus- und Aufbau der Sennereiläden.
· 1996 Konzeption KäseStrasse Bregenzerwald, um gemeinsam mit Landwirtschaft und Tourismus nachhaltige Maßnahmen für regionale Entwicklung zu realisieren.
· 1995 bis 1998 Anpassung der Sennereibetriebe an die neuen EU-Standards (Hygiene- und Bauvorschriften) erfordert Umbauten und zahlreiche Finanzmittel, welche die Sennereien und die Erträge der bäuerlichen Familienbetriebe stark belasten.
· 1997 Gründung der Sennereigemeinschaft Bregenzerwald, der 17 von 20 Sennereien beitreten, um ein neues Miteinander der Sennereien zu gestalten.
· 1997 Start des Projektes Käs1 zur Entwicklung der KäseStrasse Bregenzerwald - ein Projekt aus dem regionalen Förderungsprogramm LEADER II der Europäischen Union. Gemeinsam setzen verschiedene Berufsgruppen (Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe usw.) Maßnahmen für ein strategisches Miteinander um, das die gewachsenen Strukturen im Bregenzerwald durch verbesserte Wertschöpfung sichern soll. Regionale Vernetzung durch Kreisläufe für einen gemeinsamen Lebensraum.
· 21. - 24. Mai 1998 Eröffnung der KäseStrasse Bregenzerwald mit 72 Veranstaltungen in 23 Gemeinden. 200 Mitglieder im Verein KäseStrasse Bregenzerwald bilden die größte Angebotsgruppe einer ländlichen Region in Europa.
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Mai
1998:
Neue Förderer der heimischen Landwirtschaft: Die Brauerei Egg entwickelt als
Mitglied der KäseStrasse Bregenzerwald ein neues Bier, das mit Bregenzerwälder
Käse besonders harmoniert. Pro verkaufter Kiste wird ein fixer Betrag dem
Marketing der KäseStrasse Bregenzerwald zugesichert.
· Juni 1998 Einführung der Bregenzerwälder Milch, die erste silofreie Milch im österreichischen Lebensmittelhandel. Abfüllt in Schlauchfolien von der Sennerei Lingenau. Sutterlüty Eurospar tritt als Marketing- und Absatzpartner beispielhaft in Erscheinung.
Heute