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An einem sonnigen Dezembernachmittag des Jahres 1783 verfolgte der Herzog von Vileroi von einem Fenster seiner Wohnung aus skeptisch die Vorbereitungen für den Aufstieg eines bemannten Ballons in den Pariser Tuillerien. Obwohl der Herzog von ähnlichen Experimenten wußte, die seine Landsleute in den vergangenen Wochen durchgeführt hatten, glaubte er nicht recht daran, daß diese Maschine sich in die Luft erheben würde. Einige Minuten später stieg der Ballon doch tatsächlich auf, und der betagte Adelige, der ihn über die Bäume schweben sah, sank auf die Knie wie jemand, der ein Wunder erlebt. "Ja, es ist gewißlich wahr!" prophezeite er den Männern, die jetzt aus der Gondel winkten. "Sie werden das Geheimnis entdecken, wie man dem Tode entrinnt!" Aus der Sicht der Ballonfahrer hatte das Jahr der Wunder schon knapp sechs Monate zuvor begonnen - jedoch nicht in Paris, sondern in Südfrankreich, wo zwei Brüder auf die Idee gekommen waren, die heiße Luft über einem Feuer in einem großen Beutel aus Papier und Leinen einzufangen. Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier stammten aus einer Familie, die seit vier Jahrhunderten in der Provinz die Papierherstellung betrieb. Joseph Montgolfier befaßte sich mit Ballonen - wobei die dafür genannten Gründe eher ins Reich der Fabel gehören dürften. Der einen Darstellung zufolge soll er auf das Prinzip des Fluges mit Jacques Etienne Montgolfier Geräten "leichter als Luft" gekommen sein, als er beobachtete, wie der vor einem Kaminfeuer hängende Unterrock seiner Frau von der Höhe gehoben wurde. Nach einer anderen Leseart ging die ursprüngliche Idee auf eine einfache Papiertüte zurück. Als die leere Tüte ins Feuer geworfen wurde, stieg sie in den Schornstein hinauf, ohne zu verbrennen. Joseph vermutete, daß Rauch sich als Traggas verwenden lasse. Er begriff nicht, daß die Wärme des Rauchs eine Ausdehnung und ein Aufsteigen der Luft bewirkte; statt dessen hielt er den Rauch für den gesuchten Stoff und war sogar der Überzeugung, je übelriechender der Rauch sei, desto mehr Tragkraft besitze er. Nach einem zu Hause angestellten erfolgreichen Experiment mit einem kleinen Ballon führte Joseph seine Erfindung seinem Bruder Etienne vor, der sich sofort von seiner Begeisterung anstecken ließ. Sie bauten gemeinsam einen größeren Ballon, füllten ihn mit Rauch und beobachteten gespannt und fasziniert, wie er allmählich etwa 20 Meter hoch aufstieg, bevor der Rauch abkühlte, so daß der Ballon wieder zur Erde herab sank. Die Brüder nahmen zweifelsohne an, der Rauch sei lediglich entwichen. König Ludwig XVI. staunte nicht schlecht, als die Gebrüder Montgolfier am 19. November 1783 vor seinen Augen einen papierenen Ballon in Paris aufsteigen ließen. Passagiere waren ein Hahn, ein Schaf und eine Ente. Die papierene Kugel hob sanft vom Boden ab, nachdem unter ihr ein Feuer entfacht worden war. Das Himmelsgefährt landete nach etwa dreieinhalb Kilometer, problemlos. Das Schaf und die Ente schienen ihr Luftabenteuer unbeschädigt überstanden zu haben, aber der Hahn hatte sich auf der achtminütigen Fahrt offenbar am Flügel verletzt. Diese Verletzung gab zu besorgten Erwägungen Anlaß, ob der Mensch es wagen dürfe, sich Luftfahrzeugen anzuvertrauen, bis mehrere Zeugen aussagten, das Schaf habe den Hahn getreten, noch bevor der Ballon aufgestiegen sei. Der König war mit diesem Versuch sehr zufrieden, aber als Etienne Montgolfier seine Absicht bekanntgab, einen Ballon für Menschen zu bauen, bestand Ludwig XVI. darauf, daß als Passagiere nur zum Tode verurteile Verbrecher in Frage kämen, die begnadigt werden sollten, falls sie die Fahrt überlebten. Der luftfahrtbegeisterte Adelige Francois Pilatre de Rozier war empört darüber, daß gemeine Verbrecher den Ruhm ernten sollten, die ersten Luftfahrer der Welt zu sein, und erbot sich, an ihre Stelle zu treten. Ludwig ließ sich umstimmen und gestattete Pilatre de Rozier und dem Marquis d'Arlandes als ersten Menschen den Aufstieg im Ballon. Am 21. November 1783 um 13:45 Uhr stiegen sie am Stadtrand von Paris über hundert Meter hoch und landeten wohlbehalten nach einer acht Kilometer langen Fahrt auf der Erde. Die Nachricht über dieses sensationelle Ereignis verbreitete sich über Paris und Frankreich wie ein Lauffeuer, innerhalb von Tagen wußte die ganze Welt davon. |