Ausstellungsprojekte im Rahmen meiner Tätigkeit beim Verein Netzwerk - Arge freiberuflicher Historiker/Innen


Der Verein Netzwerk - Arge freiberuflicher Historiker/Innen und seine Mitarbeiter Reinhard Mundschütz und Walter Mentzel konzipierten und organisierten im Jahr 2007 zusammen mit dem Ausstellungsgestalter Dominik Lang einen Ausstellungszyklus zum Thema Deportationen, Ausweisungen und Internierungen von Zivilpersonen während des Ersten Weltkrieges. Im Mittelpunkt dieser im April 2007 begonnenen Wanderausstellung steht ein vergessenes Kapitel aus der Geschichte des Waldviertels, aber auch ein bislang wenig bekanntes Teilgebiet der österreichischen Weltkriegsgeschichte: die massenhafte Internierung von in Österreich lebenden Zivilisten aus den damals kriegführenden Ländern Russland, England, Frankreich, Serbien und Italien, von Staatsbürgern der österreichisch-ungarischen Monarchie, die von der k.u.k. Armee und den eigenen zivilen Verwaltungen aus den Grenzregionen der Monarchie deportiert worden waren, und von deportierten Zivilisten aus den (von der k.u.k. Armee) besetzten Gebieten aus Ost- und Südosteuropa. Diese Menschen finden wir in einem weitverzweigten, über die gesamte k.u.k. Monarchie sich erstreckendes Internierungssystem wieder: Unter anderem auch im Waldviertel, wo 1914 eine Unterbringungszone für Zivilinternierte errichtet worden war. Die Zentren waren unter anderem das Internierungslager in Drosendorf, die Stationen in Raabs an der Thaya, Grossau, Markl, Gross Siegharts oder Karlstein.
Häufige Motive, die zu diesen Massenvertreibungen und der darauf folgenden Internierung führten, waren pauschale Verdächtigungen, Denunziationen oder Beschuldigungen, die sich meist auf eine angenommene und erwartete Konspiration und Kollaboration mit den sich im Krieg befindenden Staaten bezogen. Darunter befanden sich auch zahlreiche Frauen und Kinder, die verschleppt worden oder ihren deportierten Männern, Vätern und Müttern, die ihren Angehörigen in die Internierung gefolgt waren. Die zwangsweise Entfernung von Menschen und deren Internierung geschah unter massiven Einschränkungen des Rechts auf Meinungsäußerung und der Missachtung von staatsbürgerlichen Grundsätzen: Rechtstaatliche Grundsätze wurden zugunsten ethnisch-kulturalistischer Konzepte aufgegeben und allmählich durch diese ersetzt. Andere Personen kamen wiederum aus den besetzten Gebieten: aus den Balkanländern Montenegro, Serbien und Rumänien oder aus den westlichen Gebieten Russlands. Unter ihnen politisch Verfolgte, Journalisten, Geistliche, Zwangsarbeiter, Widerstandskämpfer oder die Einwohner ganzer Ortschaften, die als potenzielle Aufstandsgebiete galten. Deren Geschichte wird am Beispiel von Schicksale von Einzelpersonen dargestellt.
Die Ausstellungen zeigen darüber hinaus bislang unbekanntes Fotomaterial; unter anderem aus dem Fundus der unbekannten Waldviertler Fotografien Leopold Schrimpf, die ab dem Herbst 1914 umfangreiche Fotoserien über die im nördlichen Waldviertel internierten Zivilpersonen herstellte. Die Ausstellung wird in Form einer Wanderausstellung durchgeführt.
Sie startete in Koperation mit der Waldviertel Akademieim Stadtmuseum in Waidhofen an der Thaya mit der Sonderausstellung "Fern der Heimat - Zivilinternierungen im Waldviertel während des Ersten Weltkrieges" und war vom 27. April 2007 bis 28. Mai 2007 zu sehen. Derzeit ist die Ausstellung bis zum Frühjahr 2009 im Grenzlandmuseum Raabs an der Thaya und ab 9. Mai 2008 bis November 2008 im Stadtmuseum Hollabrunn zu besichtigen.

Die Ausstellung gliedert sich grob in zwei Teile:
Der erste Teil beschäftigt sich mit der Internierung von "Ausländern", sogenannter "enemy aliens" und den Hintergründen und Zielen der Deportation von Zivilisten aus den österreichisch-ungarischen Grenzgebieten. Im Mittelpunkt stehen hier die Ausweisungen und Internierungen einzelner Personengruppen, wie die italienische Bevölkerung des Trentino, Istriens, Dalmatiens, Bevölkerungsgruppen aus Galizien und der Bukowina, sowie aus den okkupierten Gebieten in Russland und Serbien.
Der zweite Teil der Ausstellung behandelt erstmals das sich über die gesamte Monarchie erstreckende System an Internierunslagern für Zivilipersonen. Die Schwerpunkte bilden die Internierungslager im Walviertel (Waidhofen an der Thaya, Drosendorf, Markl, Karlstein, Großau u.a.), das Internierungslager für Ruthenen aus Galizien und der Bukowina in Graz-Thalerhof, das Internierungslager Katzenau in Oberösterreich sowie die Internierungslager für Zivilinternierte aus Serbien im heutigen Burgenland in Neusiedl am See, Neckenmarkt und Frauenkirchen.


Wenn sie rechtzeitig über die genauen Ausstellungstermin benachrichtigt werden wollen, können sie uns gerne ein Email schicken.


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copyright: Walter Mentzel  I Hergestellt von Walter Mentzel